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dyingeyes weblog: das persönliche Weblog von Boris Stumpf aus Frankfurt am Main

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Ein ganz außergewöhnlicher Körper

Tuesday, den 1. August 2006

Floyd Landis’ Körper ist offenbar zu solch völlig außergewöhnlichen Leistungen im Stande, dass man sich fragen muss, ober ein Mensch ist oder ein Alien.

Am 28.07.2006:

Ich möchte absolut klarstellen, dass ich mich in keinerlei Dopingprozess befinde. … Mein Testosteronwert ist, wie auch bei anderen Menschen, manchmal aus natürlichen Gründen höher.

Heute, wie tour.ARD berichtet, die Erkenntnis laut Informationen der New York Times, dass das in der A-Probe des Fahrers in weit erhöhtem Verhältnis ermittelte Testosteron künstlich produziert und von außen zugeführt wurde.

Eine B-Probe liegt nach wie vor nicht vor – angeblich wurde diese per Fax fristgerecht angefordert – also gibt es nach wie vor keine formell entscheidende Gewissheit. Ich brauche diese zum Glück nicht, ich darf mich auch so fragen, für wie blöd solche Herrschaften die Öffentlichkeit eigentlich halten.

Aber immerhin sind solche Phrasen noch origineller als das advokatengeprüfte Leer-Geschwätz, das manche anderen Protagonisten im Verdachtsfall absondern.

Sollte sich das Doping also justiziabel per B-Probe bestätigen, kann man glatt sagen:

Erst betrügen, dann verarschen… und anschließend wahrscheinlich noch irgendwelche obskuren Verschwörungstheorien konstruieren, wie im Fall des Leichtathletik-›Sprinters‹ Justin Gatlin.

Betrugsverdacht bestätigt?

Thursday, den 27. Juli 2006

Mein ganz privater Verdacht auf Betrug per Doping eines weiteren Fahrers bei der gerade beendeten Tour de France scheint sich gerade zu bestätigen:

Lese eben im ARD-Videotext, das Team Phonak habe bekanntgegeben, dass bei Toursieger Floyd Landis nach seinem Soloritt am Donnerstag vor Tourende erhöhte Testosteronwerte festgestellt wurden.

Insgeheim hatte ich die letzten Tourtage genau unter diesem Aspekt abgehakt. (Von einer weiteren außergewöhnlichen und »unerwarteten Leistung« eines anderen Fahrers beim Zeitfahren am Samstag mal ganz abgesehen. Da gings noch um ein gewisses Trikot…)

Ansonsten das alte Bild: Andere verdächtige Fahrer sondern weiterhin nichtssagende Phrasen ab, die ihnen wohl von ihren Advokaten eingeimpft wurden, und berufen sich auf irgendwelche unerheblichen Rechtsgrundsätze – wo es überhaupt nicht um Rechtsfragen geht.

So langsam wird das alles völlig unglaubwürdig. Aber da man sich als Normal-Zuschauer zum Glück nicht mit irgendwelchem juristischen Geplänkel aufhalten muss, kann (und sollte?) man sich einfach per gesundem Menschenverstand eine distanzierte Haltung zu jeglicher »sportlicher« Spitzenleistung angewöhnen. Die inzwischen ja häufig zu erwartende nachfolgende Enttäuschung fällt dann einfach geringer aus.

Ab und zu ist da mal von den einzelnen schwarzen Schafen die Rede, andere – Doping-Bekämpfer – reden von Dunkelziffern beim Sportbetrug. Nun ja, im Dunkeln ist eben die ganze große Herde der schwarzen Schafe kaum zu sehen…

Gleich mal Argwohn üben? Das Thema wird definitiv aktuell bleiben, da habe ich überhaupt keine Zweifel:

Vom 08. bis 13. August finden die Leichtathletik-Europameisterschaften in Schweden statt.

Mehr bei der ARD zur Tour

Nachtrag 28.07.06:

Weitere Äußerungen zum Thema gemäß ARD…

Tour de Pharme

Friday, den 30. Juni 2006

Am Samstag beginnt sie also, die diesjährige dreiwöchige Infusions- und Pharma-Leistungsschau in Frankreich. Wessen medizinisch-kriminelle Organisation läuft am besten geschmiert? Wer betrügt am besten in den steilen Anstiegen, lügt am schnellsten in den Sprintentscheidungen und weist jede Schuld am weitesten von sich bei den erfogreichen Ausreißversuchen?

Kam es sonst erst während der Tour zu den entsprechenden Skandalen, ist jetzt schon Tage im Vorfeld der Teufel los mit Ermittlungen in Spanien, Verdachtsmomenten, Auffälligkeiten, Aufregungen, Beschuldigungen und Beteuerungen. Es scheint, dass inzwischen das Thema Doping im Radsport den Status eines permanenten Saisonbegleiters erreicht hat.

Die Diskussion um die medizinisch und pharmazeutisch hochprofessionell betreuten Sportbetrüger kocht wieder hoch, und wieder stellt sich die bekannte Frage, wie man – und ob man überhaupt – diesen Sumpf trockenlegen kann.

Ich schließe mal von mir auf das Allgemeine und propagiere folgende Haltung:

Erfreuen wir uns durchaus weiterhin an den Sportereignissen, an den sportlichen Auseinandersetzungen und den Höchstleistungen. Aber seien wir uns immer der starken Vermutung bewusst, dass dabei Doping und damit Betrug im Spiel ist. Wenn denn schließlich ein kleiner Teil der Protagonisten tatsächlich überführt wird, müssen wir nicht mehr so enttäuscht und entrüstet sein. Wir haben es nicht anders vermutet.

Und sorgen wie für ein öffentliches Bewusstsein auch unter den Sportlern, dass es diesen Generalverdacht gibt. Sie sollen wissen, dass wir kein Vertrauen mehr haben in das faire Zustandekommen ihrer Topleistungen. Dass wir sie nur noch unter Vorbehalt bejubeln.

Ich kann jedenfalls nicht mehr anders als mich so zu verhalten – ich bin überzeugt, mir eine Phantasiewelt vorlügen zu müssen, wollte ich annehmen, dass Etappensiege bei der Tour (dies nur stellvertetend für unzählige andere Top-Sportereignisse) generell auf unmanipulierte Art und Weise zustande kommen könnten.
(more…)

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