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dyingeyes weblog: das persönliche Weblog von Boris Stumpf aus Frankfurt am Main

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Phrasendrescherei

Thursday, den 28. Februar 2008

Eben im ZDF-Morgenmagazin – im zeitraubenden Interview-Versuch mit Andrea Ypsilanti – ist mir klar geworden, dass ich mich bei der hessischen Landtagswahl wohl mal wieder verwählt habe. Dass mir das immer wieder passieren muss, obwohl ich es doch besser weiß. :nono:

Ein solch geballtes unsägliches Geschwätz, solches Drumherum-Salbadern und unablässiges Ausweichen auf dämlichste parteipolitisch sprachgeregelte Leerphrasen habe ich lange nicht mehr gehört. Jemand, der nicht einmal »ich« auf Fragen zu den eigenen politischen Plänen sagen kann, sondern sich permanent – passiv distanzierend – mit »Andrea Ypsilanti« aus der konkreten Aussage herauswindet, ist für mich nicht mehr wählbar.

Von anderen namhaften Protagonisten in dieser hessischen Polit-Groteske will ich lieber ganz schweigen.

Es ist schlicht unglaublich, was man sich bieten lassen muss … :angry:

Weg?

Sunday, den 27. Januar 2008

19:25 Uhr, Hessen. Vorsichtiger Optimismus. :neutral: Er ist weg! Ist er weg? Könnte der Weg frei sein für einen Ministerpräsidenten (eine Ministerpräsidentin), für den (die) ich mich nicht außerhalb meines Landes schämen und im Grunde entschuldigen muss?

Noch heißt es abwarten … vergleiche hier

19:54 Uhr, Hessen. Hmmm… :???:

08:35 Uhr, Hessen. Montag, nach der Wahl. . Hmmm… :sad:
Weg ist er irgendwie noch nicht so ganz.

Das vorläufige amtliche Endergebnis ist im Grunde eins, das kein Mensch wirklich braucht:

  • CDU: 36,8% (−12,0%) – 42 Sitze
  • SPD: 36,7% (+7,6%) – 42 Sitze
  • Grüne: 7,5% (−2,6%) – 9 Sitze
  • FDP: 9,4% (+1,5%) – 11 Sitze
  • Die Linke: 5,1% (+5,1%) – 6 Sitze
  • Andere: 4,5% (+0,4%)

110 Sitze im Hessischen Landtag.

Das Ergebnis ist, wie immer und grundsätzlich bei allen Wahlen, eine rein arithmetische Angelegenheit und repräsentiert als solches selbstverständlich keinerlei »Willen« oder gar »Auftrag« der Wähler.

Gut, man kann es natürlich auch so sehen, wie es am frühen Abend akut verwirrt, und damit meinerseits wohlwollend lächelnd entschuldigt, aus dem Munde unseres Bundesverteidigungsministers schallte, dass das schlechte Ergebnis der CDU auf eine Verschwörungs-Kampagne im Hindukusch (wo bekanntlich auch die Hessische Landtagswahl verteidigt entschieden wird) zurückzuführen ist. Ach, jetzt bin ich auch ganz verwirrt und fasele unverständliches Zeug: Er meinte natürlich eine Diffamierungskampagne gegen – ja, gegen wen eigentlich? Und von wem? Ach, von Koch? Gegen Ausländer? Also sowas jetzt auch… so ein Wahlabend verwirrt wirklich ganz schön!

In meinem Artikel vom 23.01.08 geht’s weiter, was mögliche – bzw. in den Augen einiger, vor allem SPD-Protagonisten unmögliche – Koalitionen angeht. Die vorab verabredete SPD-Sprachregelung von der »staatspolitischen Verantwortung« der FDP ist jedenfalls gestern mehrfach publikumswirksam in Szene gesetzt worden, es kann also gefordert und verhandelt werden …

Erfolgreiche Konditionierung

Friday, den 28. Dezember 2007

Folgendes experimentelles Setting, das man mit dem Namen »Ausschnittsbeschränkte Realitätswahrnehmung im Pawlowschen Reiz-Reaktions-Kontext« bezeichnen könnte:

  1. Eine Straftat gegen Menschen wird begangen, die sich entweder durch besondere Gewalttätigkeit, durch ihren Amoklauf-Charakter und/oder durch den Umstand auszeichnet, dass sie von migrierten oder nichtmigrierten Ausländern südosteuropäischer oder nahöstlicher Herkunft begangen wurde.
  2. Die reichweitenstarken Medien berichten darüber unter ausdrücklicher Betonung der o.a. besonderen Umstände

Während der Trainingsphase werden die im Experiment versammelten Politiker aus dem ›rechten Lager‹ wiederholt mit den beiden o.g. Ereignissen in unmittelbarer Aufeinanderfolge konfrontiert.

Die (erwartete) Reaktion ist stets dieselbe: Es erfolgt in jedes bereitgehaltene Mikrofon der lautstarke Ruf nach schärferen Gesetzen und härteren Strafen.

Ziel des Experiments ist, mit genügendem Training die Probanden so weit zu konditionieren, dass alleine Ereignis (2), der Medienbericht, ausreicht, um den lautstarken Ruf nach schärferen Gesetzen und härteren Strafen auszulösen. Dadurch würden nicht zuletzt politische Forderungen und deren Begründungen in Zeiten des Wahlkampfes besser kalkulier- und steuerbar.

Die Methode lässt sich darüber hinaus ohne besonderen Aufwand anwenden auf alle Fälle, in denen Politiker gewöhnlich in täuschender Absicht korrelierende Sachverhalte im Umfeld von Gewalt-Straftaten mit Hilfe des vorangestellten Attributs »Killer-« (z.B. »Killer-Spiele«, »Killer-Videos«) zu kausalen Umständen umdeuten, um (s.o.) den lautstarken Ruf nach schärferen Gesetzen und härteren Strafen ausführen zu können.
:mrorange:

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