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dyingeyes weblog: das persönliche Weblog von Boris Stumpf aus Frankfurt am Main

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Phrasen dreschen im Triplett

Sunday, den 30. August 2009

Selbst – oder gerade – bei drei gleichzeitig stattfindenden Landtagswahlen kann man im Grunde kurz nach Verkündung der ersten Hoch­rechnungen den Fernseher abschalten. Es sei denn, man will unbedingt live erleben, wie sich eine unsägliche Schlamm­masse semantischer Umwelt­verschmutzung aus den Laut­sprechern ins Zimmer wälzt. Je mehr politische Führungs­figuren zu Wort kommen, desto mehr vergrößert sich linear die Unmenge abge­sonderter sinnleerer Polit­phrasen. Wäre das nicht derart traurig, könnte man es wenigstens noch als ganz schlechtes Kabarett betrachten.

(Ganz besonders putzig fand ich ja den Herrn Steinmeier bei seinem Auftritt vor Parteifreunden, wie er mit festgetackertem, geradezu kosmetischem Lächeln die großen Wahlerfolge verkündete. Ja, so sehen Sieger aus!)

Aber mein Gott, was erwarte ich … :nonono:

Stinkender politischer Qualm

Monday, den 15. September 2008

Es scheint sich mein stiller Verdacht zu bestätigen, dass vor allem kon­servative Geister im hohen Alter dazu neigen, flach zu werden und sich von der lästigen Neigung zu differenzierendem politischen Denken zu befreien. Einstmals vorhandene intellektuelle Größe und Beredtheit verkommt so zu bloß dumpfen Qualmwolken geistlosen Wahlkampf­geschwätzes.

Dabei dienen doch »Hitlervergleiche« letzten Endes bloß der politischen Selbst­befriedigung und dem selbst­gefälligen Aufzeigen, dass man selbst der bessere Ratten­fänger ist – wenn auch im gegebenen Fall vielleicht kein ganz so »charismatischer Redner«.*) Nichts anderes gilt übrigens für die armseligen Warner vor den »Kommunisten« und »Sozialisten« aus irgend­welchen Randparteien: sie blasen auch nur ihren eigenen inhaltlichen Heißluftballon auf. Vielleicht hätten sie einfach bei ihrem Spaßmobil bleiben sollen. Es entsprach ihnen völlig.
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Erfolgreiche Konditionierung

Friday, den 28. Dezember 2007

Folgendes experimentelles Setting, das man mit dem Namen »Ausschnittsbeschränkte Realitätswahrnehmung im Pawlowschen Reiz-Reaktions-Kontext« bezeichnen könnte:

  1. Eine Straftat gegen Menschen wird begangen, die sich entweder durch besondere Gewalttätigkeit, durch ihren Amoklauf-Charakter und/oder durch den Umstand auszeichnet, dass sie von migrierten oder nichtmigrierten Ausländern südosteuropäischer oder nahöstlicher Herkunft begangen wurde.
  2. Die reichweitenstarken Medien berichten darüber unter ausdrücklicher Betonung der o.a. besonderen Umstände

Während der Trainingsphase werden die im Experiment versammelten Politiker aus dem ›rechten Lager‹ wiederholt mit den beiden o.g. Ereignissen in unmittelbarer Aufeinanderfolge konfrontiert.

Die (erwartete) Reaktion ist stets dieselbe: Es erfolgt in jedes bereitgehaltene Mikrofon der lautstarke Ruf nach schärferen Gesetzen und härteren Strafen.

Ziel des Experiments ist, mit genügendem Training die Probanden so weit zu konditionieren, dass alleine Ereignis (2), der Medienbericht, ausreicht, um den lautstarken Ruf nach schärferen Gesetzen und härteren Strafen auszulösen. Dadurch würden nicht zuletzt politische Forderungen und deren Begründungen in Zeiten des Wahlkampfes besser kalkulier- und steuerbar.

Die Methode lässt sich darüber hinaus ohne besonderen Aufwand anwenden auf alle Fälle, in denen Politiker gewöhnlich in täuschender Absicht korrelierende Sachverhalte im Umfeld von Gewalt-Straftaten mit Hilfe des vorangestellten Attributs »Killer-« (z.B. »Killer-Spiele«, »Killer-Videos«) zu kausalen Umständen umdeuten, um (s.o.) den lautstarken Ruf nach schärferen Gesetzen und härteren Strafen ausführen zu können.
:mrorange:

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