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dyingeyes weblog: das persönliche Weblog von Boris Stumpf aus Frankfurt am Main

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Wednesday, den 4. Juni 2008

Keine Idee nebst Begründung kann so absurd sein, dass sich nicht jemand findet, der sie umsetzt. Im Zweifelsfall die von Paranoia und Kontrollwahn befallene amerikanische Politik.

Ein Gerücht ist aber sicherlich, dass es einen Zwangsumtausch von 100 Euro in Ostdollar geben wird. :mrgreen:

Zusicherung und Bagatellisierung

Sunday, den 1. Juni 2008

Wie bekommt man ein Problem z.B. kriminellen Verhaltens in Unter­nehmen medial wirksam schon im Vorfeld seiner vollständigen Aufdeckung und Aufklärung in den Griff?

Durch Zusicherung – die Auswirkungen der kriminellen Machen­schaften werden als rein auf den inneren Kreis des Unter­nehmens dargestellt. Außen­stehende (z.B. Kunden) werden als nicht betroffen bezeichnet.

Durch Bagatellisierung – durch Reduzierung der Tatgewichts in Begrifflichkeit und Zahl (»Fehlverhalten« »einiger weniger«), oft unterstützt durch das uralte, aber nahezu immer falsche Bild der gering­zahligen Abweichler von der Norm (sogenannte »schwarze Schafe«)

Die Bagatellisierung kann durch explizite Bezugname auf die Vergangenheit des Ereignisses wirksam unterstützt werden.

In der aktuellen Telekom-Bespitzelungsaffäre, wo wir sicher gerade erst die angekratzte Oberfläche erleben, sehen wir diese rhetorischen Methoden sogar ideal und elegant in einer medien­wirksamen Aussage des Konzernchefs kombiniert:

Ich kann unseren Kunden versichern: Ihre Daten sind bei der Telekom sicher. Daran ändert das Fehlverhalten einiger weniger schwarzer Schafe in der Vergangenheit nichts

(zitiert nach tagesschau.de vom 01.06.2008)

Diese Formulierung ist geradezu schulmäßig vor allem und besonders deswegen, weil sie keinerlei konkrete inhaltliche Bestandteile enthält.

Selbst-Verfreibriefung

Friday, den 30. Mai 2008

Auf der regierungspolitischen Ebene nähert sich der Telekom-Spitzelskandal anscheinend schon dem sprachgeregelten Ende. Nachdem inzwischen wohl alle relevanten Vordergrundprotagonisten medial wirksam Empörung kundgetan und die üblichen ›drastischen Konsequenzen‹ gefordert haben, sollen nach Willen des Bundesinnenministers (ausgerechnet…) die Telekommunikationsunternehmen eine sogenannte »Selbstverpflichtung« zur Einhaltung des Datenschutzes eingehen.
:angry:
Bekanntlich ist das die höchste Sanktion, die kriminell agierende Unternehmen in unserem Land – in der Regel – treffen kann. Dazu kennt man sich zu gut und gegebenenfalls mag es sogar eine Frage des Händewaschens sein.

Wie dem auch sei, eine derartige »Selbst-Verfreibriefung« gehen die Unternehmen sicher sehr gerne ein, denn sie ist wohlfeil, hat keinerlei Folgen und ist ganz zuverlässig spätestens in sechs Monaten vergessen.

War sonst noch was los in Hornberg? :eek:

Herrschaften, inzwischen verrohen die Sitten in Politik und Wirtschaft doch schon ziemlich drastisch.

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