Von Spekulanten und Banditen
Tuesday, den 21. Oktober 2008
In der heutigen (Dienstag, 21.10.08) Frankfurter Rundschau (auch online) ist ein längeres Interview mit dem bekannten Schweizer Soziologen und Globalisierungskritiker Jean Ziegler abgedruckt, aus dem ich drei Aussagen von Ziegler zitieren möchte, denen ich uneingeschränkt beipflichte:
Zu Agrar-Rohstoff-Zertifikaten (m.a.W. Nahrungsmittel-Spekulation):
(Eine) Schweizer Großbank (…) hat zum Beispiel gerade Prospekte aufgelegt, die überall in der Schweiz für diese Finanzprodukte werben. Für ein Zertifikat auf Reis. (…) Die großen Hedgefonds haben auf der Suche nach profitablen Anlegemöglichkeiten die Agrar-Rohstoffbörsen der Welt angesteuert und dort ihre Termingeschäfte aufgebaut. Sie haben auf Mais, Getreide und so weiter gewettet. Der Reispreis ist innerhalb von nur sechs Monaten um 83 Prozent gestiegen. Mais um 67 Prozent und Getreide um 111 Prozent. (…) Die Spekulanten sollten jetzt vor ein Tribunal kommen, wie die Nazi-Verbrecher nach dem Krieg in Nürnberg angeklagt wurden. Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Zum Verhalten von Spekulanten und Banken angesichts der angekündigten staatlichen Unterstützung:
Warum sind denn eigentlich die Aktienkurse nach der ersten Ankündigung der Rettungspläne noch einmal in die Tiefe gestürzt? Weil die großen Hedgefonds eventuell denken: wenn der Staat schon bereit ist, zu zahlen, dann setzten wir ihn noch etwas unter Druck.
Zum entfesselten weltweiten Markt, wie ihn Liberale und Neoliberale fordern – und längst weitgehend durchgesetzt haben:
Der freie Markt ist nur eine Maske für die unglaubliche Gier weniger Menschen. Der Chef von Lehman Brothers, Richard Fuld, hat sich in den letzten Krisentagen 20 Millionen Dollar Bonus angeeignet. Das ist Banken-Banditismus, Kriminalität mit Hilfe einer Bank.
Aber lest das ganze Interview, um die Zitate Im Zusammenhang sehen zu können.


