iPod-Generation?
14. September 2004
via das Netzbuch aus der Pressemeldung der Verlagsgruppe Handelsblatt:
NEWS ist die Zeitung für eine neu erschlossene Zielgruppe: die Mitglieder der iPod-Generation sind zwischen 20 und 39 Jahre alt, beruflich voll engagiert, konsumfreudig, mobil und nutzen für sich und mit ihren Partnern und Familien die Freizeitangebote der Region. Sie haben zu wenig Zeit, um das übergroße Inhaltsangebot einer traditionellen Tageszeitung ernsthaft zu konsumieren und bevorzugen stattdessen elektronische Informationsquellen.
Na, da hab’ ich ja nochmal Glück gehabt. Einen Dank an meine Eltern, dass sie rechtzeitig ein paar Jahre früher an mich gedacht haben. Manchmal brauchts einfach etwas Glück, um nicht aus Versehen in eine Zielgruppe hineinzugeraten.
Aber: Was wäre tatsächlich, wenn ich in all die Näpfchen passen würde, bis auf den den einzigen Makel, eben gerade nicht mehr 39 Jahre alt zu sein? Zack raus? NEWS ist nicht? Interessiert keinen mehr, ob ich die Gazette kaufe?
Oder ich erfülle all die ökonomischen Wunschkriterien, habe aber dank meiner hohen Intelligenz und vor allem auch meiner altersbedingten Erfahrung (höhö), Unsinn von Nützlichem trennen zu können – was mir ungeahnte Zeitmanagementkompetenz ermöglicht – trotz der perfekten Einbindung in die beschriebenen Konsumstrukturen noch Zeit und Muße genug, das “übergroße Inhaltsangebot einer traditionellen Tageszeitung ernsthaft zu konsumieren”?
Stelle ich dann fest, dass NEWS nichts Neues, geschweige denn Interessantes oder gar Wesentliches bringt, auch nicht im ökonomisch korrekten Kurzhäppchen-Format – wo ich gleichzeitig feststellen muss, dass beschriebene traditionelle Formate inzwischen ebenfalls inhaltlich zur plappernden Nichtigkeit tendieren?
Stelle ich dann fest, dass o.a. Zielgruppenbeschreibung durchaus auch als eine Frechheit gegenüber Menschen gelesen werden kann, die gerade über 40 jahre alt sind und damit noch nicht einmal die Hälfte ihrer statistisch erwarteten Lebenszeit erreicht haben?
Aber was soll’s… mir will man ja das Blättchen gar nicht verkaufen – und mit eben dieser abermaligen Bestätigung meiner Erkenntnis, dass Marketinggeplapper meist unausgegorenes Dummgeplapper ist, hat man nur mehr dafür gesorgt, dass ich da auch sicher nicht auf andere Gedanken komme.


