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dyingeyes weblog: das persönliche Weblog von Boris Stumpf aus Frankfurt am Main

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Archiv der Kategorie 'Sprache'

RechtSchreib-FundStücke

Tuesday, den 2. September 2008

Wieviel lächerlicher Sprachkrampf auf kleinem Raum zusammenkommen kann, wenn sich rechtschreiblich bloß geringfügig interessierte (und bemittelte?) Schreiberlinge aus großem Verlagshause mal richtig austoben, kann man anhand eines offenbarenden Fundstücks in Thilo Baums Lounge sehen:

HausNr.
GeburtsDatum
PostLeitZahl
TelefonNummer
e.Mail-Adresse
BankLeitZahl
KontoNummer
GeldInstitut
WiderRufsrecht
(es müsste bei konsequenter Anwendung dieses irregulären Blödsinns natürlich WiderRufsRecht heißen)

dagegen aber auch:

Vorname (anstatt wie zu erwarten: VorName)
Unterschrift (anstatt UnterSchrift)

Dies alles in einem gedruckten Formular zur Anwerbung neuer Abonnenten :nono:

Manipulative Unterstellung?

Friday, den 20. Juni 2008

Bundesinnenminister Schäuble heute*) in der Bundestags­debatte zum Durchwinken des BKA-Gesetzes:

Wir sollten aufhören, den Eindruck zu erwecken, dieser freiheitliche Verfassungsstaat sei ein Staat, der seine Bürger rechtswidrig überwacht.
Das Gegenteil ist der Fall und unsere Sicherheitsorgane haben diese Diffamierung nicht verdient.

*) Direkter Link auf den Mediathek-Videobeitrag. Siehe mehr dazu unten im letzten Absatz.

Dazu zweierlei:

  1. Niemand hat m.W. behauptet, unser Staat wolle seine Bürger rechtswidrig überwachen. Dies kann man, so man mag, durchaus als eine diffamierende Unter­stellung des BIM gegenüber den Kritikern an den Gesetzes­vorhaben dieser Regierung ansehen.
  2. »Das Gegenteil ist der Fall …« Dies wiederum ist richtig, wenn auch sicherlich ungewollt: Dieser Staat will ja tatsächlich seine Bürger rechtskräftig überwachen. Deswegen dieses Gesetz. :twink:

Und schließlich bleibt mir noch festzuhalten, dass die schriftlichen Zitate dieser Rede­passage Schäubles an verschiedenen Stellen zumindest bei der FR-Online und ZDF genau um dieses Wörtchen »rechtswidrig« reduziert sind. Deswegen zitiere ich den echten Wortlaut und verlinke oben direkt auf den ent­sprechenden Rede­beitrag. Ich halte das übrigens für keine Marginalie, da BIM Schäuble (genau wie sein Amts­vorgänger) gewöhnlich rhetorisch sehr präzise formuliert und sich zielgerichtet und sehr wohlüberlegt äußert.

Zum Mitnehmen, aber nicht nach Togo

Monday, den 9. Juni 2008

Ich gehöre ja nicht zu der Zielgruppe, die erfolgreich die ökonomische Lektion gelernt hat, keine Zeit zu haben, und die deswegen Kaffee im Papp­becher mit sich herumschleppt. Aber ich habe kurz die krampfhafte Suche nach einem deutschen Ausdruck für den englischen (amerika­nischen) Ausdruck »Coffee to go« verfolgt (neben der vergleich­baren Suche nach einer deutschen Alternative für »Public Viewing«, das übrigens im Angel­sächsischen auch etwas ominös Anderes bedeutet als wir zu wissen glauben).

Nun ist man fündig geworden und hat beschlossen, die folgende von mir soeben zum schwachen Unwort erklärte Merk­würdigkeit als Alternative zu empfehlen:

Geh-Kaffee

Ich frage mich, warum wir Deutschen (bzw. eine vermeintlich und vorgeblich sprach­bewahrende Auswahl von uns) gleich immer so stark verkrampfen? Wir könnten es doch einfach den Angel­sachsen hüben und drüben des großen Teichs gleichtun und schlicht sagen, was die auch sagen, nämlich: »Kaffee zum Mitnehmen«!

Was ist so schlecht daran, das Ding ebenfalls einfach beim Namen zu nennen?

Warum versuchen wir ständig, krampfhaft Ausdrücke einzu­deutschen, für die es längst ange­stammte genaue deutsche Entsprechungen gibt?

OK, die Angelsachsen mögen wir als sprachlich pragmatischer, kürzer-knackiger und bild­hafter bewundern. Ja, und es mag auch sein, dass der Überschuss an Zeichen (12 gegenüber 4 bei »to go«) aufgrund der längeren Formulierungs­zeit arbeitszeit­mäßig einfach die Quartals­bilanz des aus­schenkenden Anbieters versaut. Und wir mögen einfach werbe­gerecht verzogen sein und bei deutschen Ausdrücken in der Öffentlichkeit unverzüglich in einen peinlichen ›Schäm-Modus‹ schalten.

Haben wir das wirklich nötig? :unsure:

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