Monday, den 9. Juni 2008
Ich gehöre ja nicht zu der Zielgruppe, die erfolgreich die ökonomische Lektion gelernt hat, keine Zeit zu haben, und die deswegen Kaffee im Pappbecher mit sich herumschleppt. Aber ich habe kurz die krampfhafte Suche nach einem deutschen Ausdruck für den englischen (amerikanischen) Ausdruck »Coffee to go« verfolgt (neben der vergleichbaren Suche nach einer deutschen Alternative für »Public Viewing«, das übrigens im Angelsächsischen auch etwas ominös Anderes bedeutet als wir zu wissen glauben).
Nun ist man fündig geworden und hat beschlossen, die folgende von mir soeben zum schwachen Unwort erklärte Merkwürdigkeit als Alternative zu empfehlen:
Geh-Kaffee
Ich frage mich, warum wir Deutschen (bzw. eine vermeintlich und vorgeblich sprachbewahrende Auswahl von uns) gleich immer so stark verkrampfen? Wir könnten es doch einfach den Angelsachsen hüben und drüben des großen Teichs gleichtun und schlicht sagen, was die auch sagen, nämlich: »Kaffee zum Mitnehmen«!
Was ist so schlecht daran, das Ding ebenfalls einfach beim Namen zu nennen?
Warum versuchen wir ständig, krampfhaft Ausdrücke einzudeutschen, für die es längst angestammte genaue deutsche Entsprechungen gibt?
OK, die Angelsachsen mögen wir als sprachlich pragmatischer, kürzer-knackiger und bildhafter bewundern. Ja, und es mag auch sein, dass der Überschuss an Zeichen (12 gegenüber 4 bei »to go«) aufgrund der längeren Formulierungszeit arbeitszeitmäßig einfach die Quartalsbilanz des ausschenkenden Anbieters versaut. Und wir mögen einfach werbegerecht verzogen sein und bei deutschen Ausdrücken in der Öffentlichkeit unverzüglich in einen peinlichen ›Schäm-Modus‹ schalten.
Haben wir das wirklich nötig?