Der Geldbeutelpreis
Sunday, den 25. Juni 2006
Der deutsche Schriftsteller Andreas Eschbach schreibt im Dezember 1995 über Literaturpreise und definiert den Geldbeutelpreis:
Als Leser habe ich ein Buch eines mir bisher unbekannten Autors entdeckt (aus welchen Gründen auch immer), gekauft und gelesen. Es hat mir gefallen. Und nun stehe ich erneut in einer Buchhandlung und halte ein anderes Buch desselben Autors in der Hand.
Kaufe (und lese) ich es ohne Umschweife oder nicht?
In dem Moment, in dem ich meinen Geldbeutel zücke für das Buch eines Autors oder einer Autorin, von dem oder der ich schon etwas gelesen habe, verleihe ich ihm oder ihr den Geldbeutelpreis.
Und wenn man einmal gründlich darüber nachdenkt, wird man unweigerlich zu dem Schluß kommen, daß dies der wichtigste Literaturpreis der Welt ist und für alle Zeiten bleiben wird. Ein Autor kann auf jeden anderen Literaturpreis verzichten, doch wenn er den Geldbeutelpreis nicht bekommt, ist er verloren.
Sicher sind Literaturnobelpreise und Wettbewerbspreise, die den Namen berühmter Autoren tragen, wichtig. Vor allem für diejenigen, die diese Preise austragen und verleihen und für die begierig auf diese hohen Ereignisse wartenden Feuilletonisten.
In der realen Welt von Autoren und Lesern bleiben Bücher aber letzten Endes immer ein Deal zwischen dem Autor und seinen Lesern. Hat nicht sogar schon einmal jemand in diesem Zusammenhang von einem »Pakt« gesprochen?
Wie dem auch sei, ich habe jedenfalls in der letzten Zeit in diesem Sinne den Geldbeutelpreis sehr gerne verliehen an Autoren wie Dean Koontz, Barry Eisler (erst kürzlich), und nicht zuletzt auch an Andreas Eschbach.




