Lokaler Einzelhandel
11. Januar 2012 – 20:44 Uhr
Den lokalen Einzelhandel wollte ich heute wieder einmal mit einem Einkauf unterstützen. Dass dieses Vorhaben sich so ärgerlich gestalten würde, dass ich mich frage, ob diese Unterstützung überhaupt erwünscht ist, hätte ich nicht gedacht. Wieder einmal, denn es war wahrlich nicht das erste Mal.
Da ich seit längerer Zeit vermehrt selbst koche und brate, verwende ich natürlich verstärkt Pfeffer zum Würzen. Und da zeigte sich schnell, dass meine alte Billig-Pfeffermühle meinem gestiegenen Qualitätsanspruch hinsichtlich der Werkzeuge nicht genügt. Ich wollte mir nun also eine neue Mühle anschaffen und forschte gestern online etwas herum, in welche Richtung ich mich orientieren sollte. Auch durch Tipps von Freunden fiel meine – vorläufige – Wahl auf eine Zassenhaus ›Frankfurt‹, 24 cm hoch in Buche natur oder wengefarben. Nach Online-Einschätzung des zu erwartenden Preisrahmens machte ich mich heute nach der Arbeit auf den kurzen Weg zur großen Einkaufsmeile meiner bedeutenden Metropole (äh… Frankfurt am Main).
Die letzten beiden großen Waren-Kaufhäuser der Metropole (Karstadt und Kaufhof) litten offenbar noch unter den Folgen des schweren Weihnachtsandrangs, der im Verein mit gezielter Ausdünnung des Personalstandes dafür sorgte, dass sich mir ein trauriges Bild des Angebots bot:
Das eine Kaufhaus führt das Modell zumindest prinzipiell, hält jedoch eine größere Auswahl an Varianten in einem halbwegs aufgefüllten Regal drei Wochen nach Weihnachten nicht für notwendig. Ob die Platzierung der wenigen vereinsamten Mühlenexemplare auf einem verstaubten Regalboden in Schuhsohlenhöhe, ohne Preisschilder und umgehängte originale Informations-Anhänger, aus kaufmännischer Sicht irgendwie geboten erschien, konnte ich nicht nachvollziehen.
Das andere Kaufhaus zeigte zwar eine bunte Galerie eines (kleineren) Modells des Herstellers, die fast eine ganze Regalbreite füllt, andere Modelle scheint man dagegen eher nicht verkaufen zu wollen. Also sorgt man hier auch gar nicht erst für eine übersichtliche, ansprechende Präsentation der wenigen Exemplare. Preisschilder? Was rede ich … Aber das von mir bevorzugte Modell war sowieso nicht verfügbar.
Nach dieser Enttäuschung auf der ganzen Linie fand ich mich zielsicher beim ersten und wohl traditionsreichsten Haushaltsanbieter »am Platz« (Lorey) ein, um wieder einmal auf genau die eine Art enttäuscht und zurückgewiesen zu werden, die ich Zeit meines Kundenlebens am meisten hasse:
Das begehrte Produkt ist zwar, neben zahlreichen anderen, verfügbar, aber sicher hinter Glas verschlossen, wobei alle (alle!) Exemplare sorgfältig so aufgestellt sind, dass das Umhänge-Schildchen mit dem Preis-Aufkleber immer hinten und somit völlig verdeckt hängt. Es ist absolut nicht möglich, auch nur den Preis in Erfahrung zu bringen, ohne hierzu das hoch nachgefragte Verkaufspersonal zur Hilfe zu holen.
Offensichtlich hat das Traditionshaus eine ganz andere Auffassung von Kundenverhalten und -bedarf als ich. Wir passen irgendwie einfach nicht zusammen. Ich erwarte zumindest, dass ich mir ein grobes Bild von einer Ware einschließlich des Preises machen kann, bevor ich Personal zu Rate ziehe.
Der ganz lokale Haushaltsanbieter in meinem Stadtteil übrigens hat die gewünschte Marke leider gar nicht im Programm, die Produkte eines anderen namhaften Herstellers ebenfalls hinter Glas, aber so aufgestellt, dass man zumindest die Preise erkennen kann.
Und nun?
Damit waren die Möglichkeiten in meiner Metropole (!) für heute weitgehend ausgeschöpft, und ich verbleibe als unbefriedigter und verärgerte potenzieller Kunde mit leeren Händen. Durchaus gerne hätte ich beim lokalen Einzelhändler ein paar Euro mehr bezahlt als im Onlineversand.
Aber da ich als Kunde natürlich König bin, werde ich mich wohl königlich abwenden und mir schließlich eine Online-Bezugsquelle für meine Pfeffermühle suchen. Wahrscheinlich nicht angesiedelt in der Metropole, in der ich lebe.

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Am 13. Januar 2012 um 09:30 Uhr
Habe da auch meine einschlägigen Erfahrungen mit dem Präsenzhandel
Im Autohaus wird einem z.B. gesagt, dass eine Probefahrt nicht möglich sei mit der gewünschten Motorisierung. So ein Auto sei zwar da, aber leider von einer Kollegin belegt (die es privat nutzt).
Und die Warenstrategie der Präsenzhändler ist ne Katastrofe. Im Karstadt sind sicherlich 20% der Fläche von Produkten belegt, die ich 30-40% günstiger bei Amazon bekomme. Der Scherkopf meines Rasieres bspw. kostet bei Karstadt 47,95 EUR, bei Amazon rund 30. Es gibt nur diesen einen und er ist eingeschweißt – man kann also nichts auswählen oder abwägen…
Die Dinger sind letztlich Relikte. Für unsere Eltern- und Großeltern-Generation. Gemanaged von Leuten aus dieser Generation und meistens von sehr uninspirierten Exemplaren. Die meisten von den Konzepten werden in den nächsten 20 Jahren sterben oder sich dann anpassen, wenn wir das Ruder endgültig übernehmen
Am 13. Januar 2012 um 15:16 Uhr
Viele werden aber zuvor noch versuchen, den Onlinehandel irgendwie begrenzen zu lassen oder in Misskredit zu bringen, weil er ihre überkommenen Geschäftsfelder beeinträchtigt. So, wie es die Medienindustrie getan hat und immer noch tut.
Aber es gibt auch die positiven Beispiele wie z.B. einen namhaften Teehändler in Regensburg, der einen sehr gut geführten und ausgestatteten Onlineshop neben dem Traditionshaus vor Ort betreibt und damit den Übergang ins 21. Jhdt. geschafft hat.
Und wie gesagt, was ich am Präsenzhandel hasse, sind ungepflegte und vernachlässigte (Teil-) Abteilungen sowie diese restriktive Marotte u.a. sogenannter Fachhändler, die etwas teureren Markenprodukte samt Preisangabe abgeschlossen hinter Glas vorzuhalten und nur über die Konsultation des Personals in Kundenkontakt zu lassen.
So kaufe ich nicht ein und basta.