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Zusicherung und Bagatellisierung

1. Juni 2008 – 11:17 Uhr

Wie bekommt man ein Problem z.B. kriminellen Verhaltens in Unter­nehmen medial wirksam schon im Vorfeld seiner vollständigen Aufdeckung und Aufklärung in den Griff?

Durch Zusicherung – die Auswirkungen der kriminellen Machen­schaften werden als rein auf den inneren Kreis des Unter­nehmens dargestellt. Außen­stehende (z.B. Kunden) werden als nicht betroffen bezeichnet.

Durch Bagatellisierung – durch Reduzierung der Tatgewichts in Begrifflichkeit und Zahl (»Fehlverhalten« »einiger weniger«), oft unterstützt durch das uralte, aber nahezu immer falsche Bild der gering­zahligen Abweichler von der Norm (sogenannte »schwarze Schafe«)

Die Bagatellisierung kann durch explizite Bezugname auf die Vergangenheit des Ereignisses wirksam unterstützt werden.

In der aktuellen Telekom-Bespitzelungsaffäre, wo wir sicher gerade erst die angekratzte Oberfläche erleben, sehen wir diese rhetorischen Methoden sogar ideal und elegant in einer medien­wirksamen Aussage des Konzernchefs kombiniert:

Ich kann unseren Kunden versichern: Ihre Daten sind bei der Telekom sicher. Daran ändert das Fehlverhalten einiger weniger schwarzer Schafe in der Vergangenheit nichts

(zitiert nach tagesschau.de vom 01.06.2008)

Diese Formulierung ist geradezu schulmäßig vor allem und besonders deswegen, weil sie keinerlei konkrete inhaltliche Bestandteile enthält.

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Dieser Inhalt (Textbeitrag und Fotos) ist unter einer Creative-Commons-Lizenz BY-NC-ND lizenziert.

2 Kommentare zu ›Zusicherung und Bagatellisierung‹

  1. Aranxo

    Nicht zu vergessen der in solchen Fällen immer wieder gern verwandte Begriff des “Einzelfalls”. Auch wenn die Fälle dann massenhaft vorkommen, wie z.B. falsche Rechnungen, zufällig immer zu den eigenen Gunsten (auch Telekom). Es sind und bleiben Einzelfälle im Jargon des Unternehmens. Sonst müsste man ja zugeben, das das gewollt ist und System hat.

  2. zeitcollector

    Das ist das bekannte Ablaufmuster bei solchen Fällen – ob bei Watergate oder nun Telekomgate!

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