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Falsche Vorstellungen

9. Mai 2008 – 9:08 Uhr

Ich denke, es entspringt einfach einer völlig falschen Vorstellung von der Wirtschafts- und Arbeitswelt, anzunehmen, dass jemand einen Führungsposten in einer Gewerkschaft aus anderen weltanschaulichen Motiven heraus übernimmt als eine Führungsposition in einem Unternehmen. Letzten Endes handelt es sich bei beiden um nichts weiter als satt dotierte Führungs- und Machtpositionen. Wobei letztere in aller Regel satter dotiert sein werden als erstere, weswegen es überwiegend Wechsel von der Gewerkschaftsseite hin zur Unternehmensseite geben dürfte.

Aber egal, wo man im Vorstand sitzt, in allen Fällen strickt man hoffentlich rechtzeitig an den notwendigen guten Kontakten (nach außen), um in jedem Fall auf der wirtschaftlich begünstigten Seite zu stehen. Das war’s schon, mehr ist da wirklich nicht dran. Das ethische und altruistische Gebaren nebst gelegentlicher Kampfrhetorik auf Gewerkschaftsseite ist im Zweifelsfall schlicht wohlfeiler Budenzauber. Zweckdienlich gelernt gemäß den Erfordernissen des jeweiligen Jobs, wie auch hinlänglich aus der Politik bekannt.

Und das war wahrscheinlich schon am frühen Abend des Gründungstages der ersten deutschen Gewerkschaft, des ›Allgemeinen Deutschen Cigarrenarbeiter-Vereins‹ 1865 nicht viel anders.

Hatten wir wirklich jemals etwas anderes angenommen? :eek:

Via Hoekeys Blog

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2 Kommentare zu ›Falsche Vorstellungen‹

  1. Hokey

    Zur Zeit ballt es sich aber. Erst diese VW-Käuflinge, dann die betriebseigenen Pseudogewerkschaften verschiedenerseits und nun auch noch bei der Bahn.

    Den Gewerkschaftern von 1865 unterstelle ich allerdings noch eine gehörige Portion “Altruismus”, der nicht zuletzt dem Egoismus geschuldet war, dass man nicht weiter aufs Übelste ausgebeutet werden wollte, während die Herrschaften sich in den prunkvollen Villen der Gründerzeit vergnügten.

  2. Silke Schümann

    Ich unterstelle den Gewerkschaftlern der ersten Stunde keine zynistische Macht- und Geldgeilheit. Etwas, das ich heutigen Gewerkschaftsführern durchaus mit deinem Beitrag konform unterstelle. Wobei ich einen Machtkampf um bessere Verhältnisse, wenn man selbst betroffen ist nicht unbedingt Altruismus nennen würde. Es ist gesunder Pragmatismus die Arbeiterschaft zu organisieren und eine Gegenmacht zu bilden. Die Gewerkschafter der ersten Stunde dürften hier noch viel ehrenamtliche Tätigkeiten geleistet haben und sich nicht satter Manager-Gehälter erfreut habe. Das kam dann später und mit den dicken Gehältern und einer eher desinstressierten großen Mitgliederzahl letzlich auch die korrumpierte Lage, wie sie sich uns präsentiert.

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