Mitnahmementalität: Das pralle Abgreifen
15. Februar 2008 – 22:52 Uhr
Manchmal, selten aber derart heftig, kommt sie ans Licht: Die geradezu zynische kriminelle Mitnahmementalität sogenannter »Leistungsträger« in unserer neoliberal enthemmten Wirtschaft. Es droht womöglich gar ein gesellschaftlicher Flächenbrand, wenn sich bestätigt, dass hunderte, eventuell tausende massive Steuerhinterzieher ins Licht der Justitia gezerrt werden müssen.
Einer der Begriffe, die ich heute am häufigsten hörte, war »Unschuldsvermutung«, neben »Einzelfall«. Es wird sich im Lauf der nächsten Tage sicher noch »einzelnes schwarzes Schaf«, neben »anständig« und »verantwortungsvoll« hinzugesellen. Nun, die üblichen einvernehmlichen Sprachregelungen aus politisch-wirtschaftlichen Kreisen zur Euphemisierung von Skandalfällen sind ja wohlbekannt.
Ich denke, ich liege näher an der Wahrheit mit meiner ganz privaten Vermutung einer ziemlich großen Herde schwarzer Schafe – in »Leistungsträger«-Kreisen –, deren meiste jedoch ein gut sitzendes weißes Wolljäckchen zur Tarnung tragen.
Und mir geht tatsächlich schon jetzt der Hut der Empörung hoch, wenn ich spekuliere, wie gutwillig zur Bewährung sich gegebenenfalls die Strafzumessungen ausnehmen werden – hat sich doch Wirtschafts- und Finanzkriminalität hierzulande schon oft genug im Nachhinein »bewährt«.
Ach, ich würde es übrigens begrüßen, wenn im Falle solch hochgradiger Steuer-Krimineller (sollten sich derartige Straftatbestände bestätigen) nicht mehr von »Leistungsträgern« gesprochen würde, sondern von rücksichtslosen Leistungszerstörern. Oder schlicht von Verbrechern. Steuerhinterziehung im zur Zeit abgeschätzten Ausmaß ist m.E. ganz einfach dreistes Schmarotzen am Gemeinwesen.

Dieser Inhalt (Textbeitrag und Fotos) ist unter einer Creative-Commons-Lizenz BY-NC-ND lizenziert.


Am 16. Februar 2008 um 16:38 Uhr
Jou!

und schöne Grüße an Dich!
Am 19. Februar 2008 um 16:27 Uhr
Mich wurdert, daß diese Herren immer noch als Leistungsträger gelten, wo sie doch überwiegend abschöpfen…