Bloggen? Klar, was soll’s?
6. Februar 2008 – 0:08 Uhr
Die deutsche Blogosphäre erscheint mir ja nach wie vor in Selbstbenabelschauung versunken. Jedenfalls, wenn ich mir die einer breiten Öffentlichkeit bekannten »Reichweitenblogs« anschaue. Da gibt es die diskussionsähnlichen Veranstaltungen zu dem ganz wichtigen Thema, ob Blogger Journalisten sind, sein können (Qualitäzjournalisten!) – ohne dass zuvor einmal abgeklärt würde, ob heutige Journalisten überhaupt noch welche sind. Da gibt es die SEO-Diskussion, in der es im Wesentlichen darum geht, wie man mit Blogs irgendetwas anstellen kann, das man für Suchmaschinen zum Zwecke des Gewinnerwerbs optimiert. Dabei geht es aber schon gar nicht um Inhalte an sich. Und es gibt die ewige Diskussion um die ethische Rechtfertigung von Werbung, für die man doch so langsam mal eine Ethikkommission gründen sollte. Die dann wiederum eine Menge Diskussionspapiere produziert, über die man anschließend auf Barcamps oder ähnlichen Veranstaltungen streiten kann. Und im Moment reibt sich die Szene mit energisch unbeirrbarem Blick nach innen an der Magazin-Diskussion, also an der Idee, Blogs im Magazinstil zu layouten. Was immer das außer Kästchendesign mit lauter kleinen Artikel-Teaserböxchen, durchsetzt von kaum unterscheidbarer Reklame, noch alles bedeuten mag.
Wie dem auch sei, es ist in jedem Fall irrelevant, außerdem ist jetzt Mitternacht und damit Zeit für mein Buch im Bett nebst anschließender Nachtruhe.
Deswegen abschließend ein Zitat von Mike Schnoor aus seinem heutigen Artikel zur Blogkultur:
Warum bloggt das Volk eigentlich nicht? So fragt Robert [Basic] seine Leser auf der Suche nach einer Allgemeinformel der bloggischen Daseinsberechtigung. Die persönliche Blogkultur läuft immer auf das Individuum mit seinen Wünschen, Träumen, Zielen und Charakteristika hinaus. Damit ist auch das wichtig, was das Individuum sagen will. Und schließen wir spezifische Projektblogs oder Corporateblogs für Zwecke des Marketings und der Public Relations hierbei aus, weil dabei das einzelne Thema oder Unternehmen irgendwie doch im Vordergrund steht, so lässt sich beobachten: Bloggen ist Individualismus. Bloggen ist der öffentliche Seelenstriptease mit Coming-Out. Blogkultur ist die Macht des einzelnen Schreiberlings sein Gedankengut zu formulieren.
Dem füge ich – geradewegs zustimmend – nichts hinzu. Gute Nacht.

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Am 6. Februar 2008 um 13:35 Uhr
Brian: “Ich meine … ihr seid doch alle Individuen, ihr seid doch alle völlig verschieden!”
Anhänger, im Chor: “Ja, wir sind alle Individuen!”
Einzelne Stimme: “Ich nicht!”
Am 6. Februar 2008 um 20:22 Uhr
Im Grunde sind wir Blogger doch alle irgendwo Lemminge … kurz vor dem gemeinsamen Absturz in die Bedeutungslosigkeit.
Am Ende landen wir alle in einem allumfassenden »Soschel Nettwörk«, viral bewusstlosbeworben, community-weichgespült und zum in-die-Tasche-Freuen für ein oder zwei Großkonzerne.