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Zielgruppenprogramm nach Vorschrift?

15. Januar 2008 – 10:53 Uhr

Zur Lage der Drehbuchautoren in Deutschland

Lassen deutsche TV-Sender ihre Serien- und Filmreihen von »ihren« Autoren nach marktforscherisch vermeintlich genau ermittelten Zielgruppenvorstellungen schreiben? Nils meint das annehmen zu können und schreibt:

Die Schreiberlinge vom Fernsehen sind nicht organisiert und wenn sie den Mund aufmachen, stehen schon zehn andere, hungrige Autoren in der Schlange, die eine TV-Sendung für noch weniger Geld schreiben. Wobei es anscheinend auch nicht mit einem Entwurf getan ist. Deutsche Schreiber müssen wohl – aus Angst vor den Sendern – immer gleich mehrere Geschichten abliefern. Viel wird vermutlich für die Tonne produziert.

Und er bezieht sich auf einen Artikel in der Online-FAZ, in dem es u.a. heißt:

Es gibt hierzulande kein über die Jahrzehnte gewachsenes Studiosystem. Stattdessen geben die Fernsehsender den Ton an. Und die meist freischaffenden Autoren spielen eine gänzlich andere Rolle als in den Vereinigten Staaten. »Wir werden nicht als Kreatoren begriffen. Uns kann jeder reinreden«, erklärt Johannes W. Betz, von dem unter anderem das Buch zum Sat.1-Filmerfolg ›Der Tunnel‹ stammt. Bücher werden in der Regel von Produktionsfirmen und Sendern angestoßen, und die haben sehr genaue Vorstellungen von dem, was geschrieben werden soll. Vor allem die Sender weichen oft keinen Millimeter von ihren Zielgruppenvorgaben ab, deren Vorlieben in aufwendigen Marktforschungen ermittelt wurden.


Das würde ja die jederzeit angesichts von Beschwerden über die Inhalte des Fernsehprogrammes und deren Qualität zu hörende Abwehrreaktion bestätigen, dass das Fernsehprogramm genau dem entspräche, was die Leute sehen wollen. Aber das ist und bleibt grundsätzlich falsch, denn das Fernsehprogramm entspricht immer genau dem, was dessen Produzenten senden wollen. Unabhängig davon, von welchen Motiven oder welchem Druck sie sich womöglich genötigt fühlen.

Darüber hinaus frage ich mich, ob es wirklich sein kann, dass die Zuschauer – nur dieses eine Beispiel – bei der Tatort-Reihe wirklich derart grausam langweilige, am jeweiligen Thema vorbei geschwätzige und inhaltlich künstlich verschwurbelte »Fälle« sehen wollen, wie sie in den letzten paar Jahren überwiegend zu sehen waren.

Wie dem auch sei, es gibt, anders als in den USA, offenbar für deutsche Autoren nicht zuletzt aufgrund fehlender Organisiertheit nichts zu streiken, und selbst wenn, wären die Folgen möglicherweise weniger dramatisch als drüben, wie Nils vermutet:

Dann werden, wie es in den Staaten gerade gemacht wird, die Lücken eben mit miesen und billigen (wertend, aber auch ökonomisch gesehen) Reality-Sendungen aufgefüllt. Fällt eh nicht auf. Der Zuschauer wird auch hierzulande schon seit einiger Zeit ans Dumm-Programm gewöhnt. Im Fernsehen, im Radio, in den Printmedien. Wahrscheinlich wird er das Mehrangebot an Low-Level-Sendungen noch mit offenen Armen empfangen…

Ich würde das auch befüchten – auch wenn ich das Publikum nicht für vorrangig verantwortlich für das Programm halte, das ihm vorgesetzt wird, so scheint es mir doch außerordentlich duldsam angesichts dieses bisweilen intellektuell beleidigenden Mülls. Wobei ich die öffentlich-rechtlichen Sender ausdrücklich einschließe, denn deren Programm unterscheidet sich von dem der Privatsender in seiner inhaltlichen Ausprägung wie seiner Qualität längst nicht mehr grundlegend, sondern bloß noch graduell.

Und die Schauspieler?

Ich stimme Nils hier völlig zu, dass im deutschen Film und Fernsehen zu oft »hölzern, leidenschaftslos, blass« gespielt wird. Und füge noch »unglaubwürdig aufbrausend und laut« hinzu. Einstmals fragte ich eine alte Freundin, die einen gewissen Einblick in den deutschen Film und dessen Tradition hat, ob ich diesen Unterschied zum amerikanischen Film-Schauspiel richtig wahrnehme und woran das liegen könnte? Ihre Antwort bestätigte meinen Eindruck und führte dieses ›andere Schauspiel‹ darauf zurück, dass die deutsche Schauspielerei viel stärker in der Theatertradition steht. Und auf den Bühnenbrettern wird eben Emotion plakativer, raumgreifender und lauter ausgedrückt, und Dialoge werden stärker in Richtung Zuschauer adressiert als es im Film notwendig (und gut) wäre. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Deswegen:

Der FAZ-Onlineartikel gibt weitere sehr interessante Einblicke in die Situation deutscher Drehbuchautoren …

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