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Unliebsames Streikrecht

8. November 2007 – 22:22 Uhr

Zur Zeit scheint es nicht nur mir, dass sich eine unheilige Allianz aus Wirtschaftsführern, Wirtschaftslobbyisten, Regierungspolitikern und Medien gebildet hätte, die den Lokführerstreik – stellvertretend – als Gelegenheit auserkoren haben, manipulativ die Tolerierbarkeit von Streiks und des Streikrechts im Allgemeinen in Frage zu stellen.

Es gibt tatsächlich praktisch keinerlei Diskussion um die Inhalte und Hintergründe dieses Streiks selbst; dagegen nahezu in jeder Nachrichten- und Diskussionssendung in erstaunlicher Einmütigkeit die besorgte Problematisierung des Umstandes, das ein Streik wie dieser natürlich erheblichen wirtschaftlichen Druck ausübt und gegebenenfalls auch Schaden verursacht.

Nun, ein Streik ist keine Demonstration, und das Streikrecht ist nicht deswegen grundlegendes Recht in unserer Gesellschaft, weil es lediglich ein paar große und relativ leicht be- verhandelbare Sammel-Gewerkschaften gibt, die allgemeine Flächentarifverträge abschließen, ohne die partikulare Situation einzelner Berufsgruppen im Besonderen zu berücksichtigen.

Die (neoliberalen) Zeiten scheinen wohl nach wie vor günstig, mit vereinten Kräften ein wenig weitere Steinbrucharbeit im sozialen Gefüge unserer Gesellschaft zu betreiben.
:nono:

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3 Kommentare zu ›Unliebsames Streikrecht‹

  1. Alexz

    Ja, hatte heute auch schon einen grimmigen Artikel in Rohfassung, nach dem ich mir das Gesülze der lustigen ‘Guten Morgen’-Moderaten des lokalen Ablegers eines Medienimperiums (was auch ne Menge Fernsehsender hat) bezüglich des Streikes anhören musste. Hab den Entwurf aber gelöscht, da ich gedanklich dann mehr damit beschäftigt war, mir terroristische Anschläge auf das Büroradio auszudenken (die Sendereinstellung liegt außerhalb meines Machtbereiches). :rage:
    Diese ‘Ablenkung’ seitens der Medien scheint bei einigen meiner Kollegen Wirkung zu zeigen. Die schimpfen nur noch auf die GDL.
    Es sieht ja auch so aus, dass die GDL nicht mehr nur für Ihre Lokführer streikt, sondern dass hier seitens der Wirtschaft erprobt wird, in wieweit man diese Arbeitskampfmöglichkeit aushöhlen kann (Gerichte beschäftigen etc.)

  2. Boris (Autor)

    Es spielt für die von mir genannte unheilige Allianz natürlich auch eine Rolle für die geplante Entlassung der Bahn in das freie und ungehinderte Spiel wirtschaftlicher Kräfte:

    Wenn man den Laden investorengerecht aufhübschen will, stören natürlich sowohl höhere Löhne, zu geringes Entlassungspotenzial als auch der Umstand, dass in diesen Zusammenhängen gleich noch mehrere Gewerkschaften lästig im Weg stehen.

  3. Lyrasia

    mich stört in dem ganzen, das man auf der GDL rumhackt wies grad passt aber kein gemecker kommt das die Bahn AG wiederum nicht einen Deut Entgegenkommen zeigt… wo bleiben hier bitteschön die Kommentare an diesen Monopolisten ?
    schöne neue Kultur haben wir da. Als Kind der Arbeiterklasse wünsch ich mir die alten Zeiten/Haltungen/Rückgrat zurück. Sooo schnell vergessen die Debatte, wie wenig die Lockführer doch verdienen… so schnell werden “wir” von der tröpfelnden Propaganda weichgekocht, wir Zuschauer. Aber wie sagte die Tage ein Taxikunde: die sind Schnee von gestern, man muss mit der Zeit gehen….

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