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Stirb langsam, mit Getöse

28. Oktober 2007 – 21:53 Uhr

Ich bin ja seit 1989 ein alter und treuer Fan der »Stirb langsam«-Filmreihe und habe die ersten drei Filme jeweils mindestens vier- oder fünfmal gesehen (den ersten öfter). Von daher war klar, dass ich mir bei Erscheinen auf DVD auch die vierte Ausgabe, »Stirb langsam 4.0« (Live Free or Die Hard), anschauen würde.

Gestern Abend war es so weit, die DVD eingelegt und ab ging es.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich mich prächtig unterhalten diesen Film mit Sicherheit nicht zum letzten mal gesehen habe. Ich finde, er passt in die Reihe – immerhin sind seit dem letzten Auftritt von John McCLane zwölf Jahre vergangen.

Die Optik ist moderner, meist in kühl-gräulichen Tönen gehalten, das von Regisseur Len Wiseman bekannte extrem künstliche monochrome Farbdesign blieb dem Film zum Glück erspart. Der Film legt nahezu ununterbrochen ein enormes Tempo vor, ist sehr ›schnell‹ geschnitten und hält gleich eine ganze Reihe von Kracherszenen bereit.

Anders als die beiden ersten Filme der Reihe, die im Grunde wie klassische Thriller eröffnen – langsam, mit kurzen Szenen, die bewusst die drohenden Ereignisse nur anschneiden und langsam Spannung aufbauen –, eröffnet Stirb langsam 4.0 ähnlich wie der dritte Film sehr zügig nach ganz kurzem thematischen Vorgeplänkel mit einer hammerheftigen Actionsequenz, die ich klar zu den Highlights des Films zähle. Und im folgenden Verlauf lässt der Film kaum noch von diesem Tempo ab …

Bruce Willis IST John McClane, daran besteht auch nach diesem Film kein Zweifel. Und es dauert auch gar nicht lange, bis die edle Schlapplederjacke verschwunden ist und sich der bekannte Schweiß-, Blut- und Drecklook der Figur eingestellt hat. Wir wollen auch gar nichts anderes sehen! Er spielt seine Figur gewohnt souverän, sieht dabei bekannt glänzend aus und klopft die Sprüche, die wir alle hören wollen.

Kurzer Schnitt. Wer die »Stirb langsam«-Filme kennt und liebt und sich an den im Folgenden beschriebenen Nickligkeiten dieser neuen Ausgabe nicht großartig stört, der sollte sich das Spektakel wirklich anschauen. Das, was ich gleich kritisiere, ist nicht wirklich so wichtig für die Unterhaltung, die der Film bietet. Es ist vielmehr auch nur ein Abbild der kreativen Einfallslosigkeit der Filmfabrik Hollywood, über die ich mich hier gar nicht allgemeiner auslassen mag.Kurzer Schnitt.

Was nicht wirklich wichtig ist

Computer im Actionfilm. Das, was Menschen in Actionfilmen an Computern tun, was sie damit bewirken und wie sie es tun, ist wohl grundsätzlich und unrettbar kompletter Mumpitz. Schwamm drüber, irrelevant. Wir befinden uns in einem Actionvehikel für unseren Helden, der darin die ganz bösen Jungs jagt. Diese bösen Jungs (z.T. im wahren Sinn des Wortes) klickerklackern flottestens auf Tastaturen herum, worauf sich auf zwölfundsiebzig LCD-Displays Softwarefenster auf Softwarefenster stapeln und scrollen – und schon geht es der gesamten US-Infrastruktur gar nicht mehr gut. Wie gesagt, Schwamm drüber.

Was wir kennen und lieben

Die betroffenen Behörden erweisen sich bis auf eine einzige Person in Leitungsposition (den braucht McClane noch) als völlig inkompetent und überfordert. Der Verkehr ist weitgehend zusammengebrochen, jedes denkbare Hindernis liegt unserem Helden und seinem »Buddy« im Weg, einem jungen fähigen Hacker, dessen Know-how unbedingt gebraucht wird. McClane kann immer noch nicht wirklich mit Mobiltelefonen und er wird wirklich ernsthaft grob, wenn man ihm mit asiatischem Gehaue und Getrete ans Leder will – hey, wir sind mitten in Stirb langsam –. Wir erleben die charakteristischen Kloppereien auf engstem Raum und die nailbiting Zweikämpfe, die kurz und schmerzhaft beginnen und sich schließlich zu haarsträubenden kettenreaktionsartigen Ereignissen entwickeln.

Was mich enttäuscht hat

Der Ober-Bösewicht. Das ist nicht Alan Rickman, nicht William Sadler und nicht Jeremy Irons. Wirklich gar nicht. Gut, für das junge Zielpublikum und die Computergadgets musste es wohl auch ein junger Bösewicht sein.

Die Dialoge zwischen McClane und dem Oberbösewicht sind gelinde gesagt schrottig. Gegenseitiges Verbalgebalge auf dem Niveau schlechter US-Western aus den Sechzigern. Das passt leider überhaupt nicht zu beiden Figuren.

John McClanes Fremdheit gegenüber zeitgemäßen Technologien ist bekannt, wirkt heute aber doch arg und vor allem unpassend rückständig. Im Grunde verliert die Figur dadurch an Glaubwürdigkeit und gewinnt dabei nicht an Witz.

Die Lastwagen-Verfolgungssequenz ist in meinen Augen in ihrer Klimax nicht nur völlig unglaubwürdig, ähnlich wie der Showdown in »Stirb langsam 2«, sondern auch überflüssig. James Cameron hätte dieses krachende Menü der Verfolgungsjagd nicht nur dramatischer, sondern auch lastwagengerechter angerichtet und serviert.

Der Showdown ist mir zu kurz. Punkt.

Ich ordne den Film für mich persönlich so in die Reihe ein:

  1. Stirb langsam
  2. Stirb langsam – Jetzt erst recht
  3. Stirb langsam 4.0
  4. Stirb langsam 2

Bevor ich jetzt hoffe, noch einen fünften Film der Reihe zu erleben, und womöglich doch noch einen weiteren Lethal Weapon – oder besser doch nicht –, frage ich mich, wo die zugkräftigen und charismatischen Action-Ikonen in Nachfolge von Bruce Willis, Mel Gibson u.a. bleiben?

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Dieser Inhalt (Textbeitrag und Fotos) ist unter einer Creative-Commons-Lizenz BY-NC-ND lizenziert.

1 Kommentar zu ›Stirb langsam, mit Getöse‹

  1. kiesow

    mir fehlt auch ein bissel der witz aus teil 3. der hatte einfach klasse dialoge und spritzige ideen.
    auch fehlt so ein bissel die große ablenkung. die bombe in teil 3 als ablenkung für das gold war einfach genial, da kann 4.0 leider gar nicht mithalten – eben weil man versucht den sprung zu den computer hinzukriegen.
    aber prima actionunterhaltung ist es tatsächlich

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