Buch-Stock
28. September 2007 – 0:02 Uhr
Im hohen Hamburg liegt für mich ein Stöckchen abholbereit – und da ich ein alter Bücherfreund bin, nehme ich es gerne auf.
- Liest du gerne?
- Würde ich sonst etwa diesen Stock …? Nein, klar lese ich gerne, spätestens seit meiner frühen Jugend. Ich würde locker eher aufs Fernsehen verzichten als auf Bücher. Heute lese ich wieder ›mehr gerne‹ und regelmäßiger als noch vor einigen Jahren. Zwischen zwei Büchern mache ich normalerweise keine Pause. Leider bin ich kein Schnellleser, so dass ich nicht gar so viele Bücher lesen kann, wie ich gerne würde.
- Wenn ja, welches Genre?
- Mein ältester Favorit ist die Science Fiction, besonders das Subgenre, das man vielleicht »Social Fiction« nennen kann und das meist mit dystopischen Welt- und Gesellschaftsvisionen beschäftigt. James Graham Ballard ist da vor allem zu nennen.
- Daneben habe ich seit jüngerer Zeit ein gewisses Faible für das Thriller-Subgenre des forensischen Thrillers entwickelt. (P. Cornwell, K. Reichs, T. Gerritsen). Es darf aber auch gerne der harte Thriller Gut gegen Böse sein, meinetwegen mit Verschwörungsgehalt, mit phantastischen und Horror- Elementen durchsetzt. (Also Dean Koontz)
- Dein letztes Buch hieß wie?
- Matt Ruff, Bad Monkeys
- Würdest Du es weiter empfehlen?
- Freilich! Habe ich bereits!
- Warum hast Du Dir genau dieses Buch zugelegt?
- Habe im Literaturblog darüber gelesen und dann mal im Buchladen reingeblättert. Schien mir sehr interessant. Und schon war’s gekauft.
- Welches war das miserabelste Buch, dass Du je in der Hand hattest?
- Pffff…
Nachdenken. Da ich bisher eigentlich immer gut beraten war und aus eigener Initiative nicht zu allzu leichtfertigen Experimenten der Art »einfach-mal-drauf-einlassen« neige, bin ich von Totalreinfällen weitgehend verschont geblieben. Es gibt so ein paar Bücher, die ich angelesen und dann gleich wieder enttäuscht ins Regal gestellt habe, weil sie mir zu Beginn irgendwie überhaupt nichts zu sagen hatten. Aus verschiedenen Gründen. Z.B. seinerzeit Clive Barkers »Das Tor zur Hölle« (oder: »Hellraiser«, übrigens wurde trotz des Buches einer der besten Horrorfilme der achtziger Jahre daraus). Oder »Neuromancer« von William Gibson, das mir mit seiner gezwungen ›punkigen‹ Sprache damals schlicht auf den Wecker ging. (Das betrifft zumindest die deutsche Übersetzung). - Da fällt mir ein: Vielleicht, und das liegt jetzt sehr lange zurück, miserabelst im Sinne des nach meiner klaren Überzeugung abwegigsten Blödsinns, den ich je gelesen habe, müsste ich Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« nennen. Das habe ich einige Jahre nach Erscheinen (1968) gelesen, da muss ich fünfzehn oder sechzehn Jahre jung gewesen sein – und es war mir wirklich Kapitel für Kapitel völlig offensichtlich, dass das alles derart an den Haaren herbeigezogen und manipulativ verwurstet … ach, lassen wir das. Zeit- und Wortverschwendung!
- Bist Du ein Bücherquäler? Entsorgst Du z.B. die Schutzumschläge, machst Eselsohren oder besudelst die Seiten?
- Nimmernie! Nienicht! Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, sehen alle meine Bücher aus wie neu. Abgesehen von der leider unausweichlichen Papieralterung natürlich, die übrigens auf das heute verwendete miserable Papier zurückzuführen ist. Ich knicke übrigens Taschenbücher niemals durch, so dass sie nachher mit verbogenen Rücken im Regal stehen. Ich schreibe vorne auf die erste Seite lediglich mit Bleistift Monat und Jahr der Lektüre rein. Ich bin da penibel. Ich hasse vergammelte Bücher! Deswegen verleihe ich übrigens auch keine Bücher. Habe da früher schlechte Erfahrungen gemacht.
- Was machst Du mit den Büchern, wenn Du sie gelesen hast?
- Sie wandern ins Regal. Bei Literatur geordnet nach einem wahrscheinlich nicht wirklich nachvollziehbaren System irgendwo zwischen Genre, Autor alphabetisch und Zeit der Lektüre. Irgendwie wohl assoziativ. Und wie gesagt mit Monat und Jahr der Lektüre gekennzeichnet. Bücher sind übrigens Ausdruck von Kultur. Kulturbesitz sozusagen. Mir bedeuten meine Bücher etwas und deswegen will ich sie um mich haben.
So. Der Stock muss weiter. Vielleicht nach Koblenz zur Lyrasia? Und vielleicht noch zum Buch-Blogger (sic!), von dem ich wahrhaft sträflich lange nichts gehört bzw. gelesen habe?

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Am 28. September 2007 um 00:29 Uhr
wie schaffst du denn den knickfreien rücken bei taschenbüchern? so ab 500 seiten lässt sich das bei den billigen bindungen doch leider kaum vermeiden.
Am 28. September 2007 um 09:16 Uhr
Ich kaufe keine TBs mit über 500 Seiten!
Quatsch … Ich habe da kein Problem, dicke Wälzer nur so weit aufzufalten, dass es nicht zu Knicken im Rücken kommt. Bisher boten die Seitenspiegel innen immer genügend Platz, um dabei noch bequem lesen zu können.
Bei amerikanischen/englischen TBs wird’s allerdings manchmal sehr knapp …
Am 28. September 2007 um 09:55 Uhr
Jürgen Hampel hatte (kennste den noch, Boris) da mal ne sehr gute Idee, die super funktioniert: 10-Seitenweise und gleichzeitig von außen zur Mitte auf und glattziehen(durchstreichen so richtig stramm aufgeklappt). Das funktioniert wirklich, soweit Deine Hände funktionieren, wie sie sollen…auch bei sehr sperrigem Material, wie es in Amiland gerne verwendet wird.
Am 29. September 2007 um 00:38 Uhr
@Anne: Hä?
Bilder! Das kann ich mir so nicht vorstellen…
Am 29. September 2007 um 01:29 Uhr
Fällt mir jetzt auch schwer nachzuvollziehen.
Ist das die Methode, wie man den blöden Schiefstand bei gelesenen gebundenen Büchern (Hardcovern) beseitigt?
Einmal sorgfältig, aber mit gewissem Druck das Buch von hinten nach vorne durchblättern, dabei die Seiten schön
glattstreifen. Wobei es reicht, jeweils so rund zehn bis fünfzehn Seiten gleichzeitig zu nehmen. Danach ist der Buchrücken wieder gerade.
Am 29. September 2007 um 09:42 Uhr
@Nils: Ja ich weiß, die Bilder fehlen, ich versuche es nochmal deutlicher zu machen:äää… Du packst das buch auf seinen Rücken und greifst mit den beiden Daumen das Cover weg, bzw.noch etwa 10 Seiten mitstreichst das Buch dann an der Bindung glatt, laß’ es auf dem Rücken und nimm die nächsten 10 Seiten, bis Du in der Mitte angekommen bist -fertig.
War das deutlicher? Notfalls gibt es noch die Lifeversion; ich wohne nämlich auch in Ottensen und trinke jeden Tag meinen Kaffee im Bey’s sobald sie aufgemacht haben.
War es so verstänlicher?
Am 29. September 2007 um 09:54 Uhr
@Boris: Das habe ich noch nicht probiert, aber ich stelle mir vor, daß der Schiefstand des Buches verhindert, daß Du gleichmäßig Druck auf den Rücken der Bindung hast. Das ganze mache ich eigendlich, wenn ein Buch neu ist, vor dem Lesen. Auch für Dich gibt es die Lifeversion, auch wenn die räumliche Distanz ein bißchen größer ist.
Am 29. September 2007 um 14:12 Uhr
stell’Dir vor, von Ballard gibt es jetzt nicht nur “crash”,die “betoninsel” und das “Hochhaus” in dt. Übersetzung in einem(leider), sondern auch die gesamten Erzählungen in 2 Taschenbüchern.
Ich bin völlig im Ballard-Fieber!
Am 29. September 2007 um 20:24 Uhr
Ja, ganz plötzlich haben die Verlage (erst die englischen/amerikanischen, dann die deutschen) Ballard wieder entdeckt. Nachdem es zumindest hierzulande jahrelang gar nichts gab.
Da ich alle meine alten Ballards (u.a. die, die du nennst, Anne) noch habe, kaufe ich natürlich keine neuen deutschen Ausgaben mehr. Die neuen Romane, die mir fehlen, kaufe und lese ich alle in Englisch.
Am 30. September 2007 um 12:03 Uhr
Meine alten Ballards waren alle (14 Umzugskartons und ich darf nicht daran denken, was da noch alles drin war
, aber so können sie wenigstens von anderen Menschen gefunden werden ) zu meinem Bedauern in Frankfurt geblieben und dann in einem kleinen Antiquariat gelandet.