Ablenkungs-Szenarien
25. September 2007 – 21:51 Uhr
Aus den Niederungen der billigen und groß aufgeblasenen Katastrophen-»TV-Movies« dringen sie nun herauf in die höheren Niederungen der öffentlich-rechtlichen Seifendokus:
Pseudodokumentarische Filmszenarien – »Doku-Dramas« – großer bevorstehender Naturkatastrophen.
Daneben, so weit ich es aus der Erinnerung überblicke, immer wieder und immer häufiger populärwissenschaftliche Dokumentationen über bevorstehende Katastrophen mit möglicherweise unabsehbaren Folgen für unsere Zivilisation.
Meteoriten- und/oder Asteroidenstürze auf die Erde, Ausbrüche sogenannter Supervulkane, Mega-Tsunamis. Und was Kosmos und irdische Natur nicht noch alles an gelegentlichen Sticheleien für unser egozentrisches Weltbild bereithalten.
Ja wie? Ob? Wieso? Wann?
Gemeinsam zugrunde liegend ist all diesen TV-Elaboraten die wissenschaftlich wertlose Haltung, dass solche katastrophalen Ereignisse unzweifelhaft eintreten werden und es bloß noch die Frage sei, wann sie eintreten.
Ich kann mich inzwischen des Eindrucks nicht mehr erwehren – gerade mit Blick auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen, wenn es mit aufwändigen TV-Schinken auf dieses Trittbrett aufsteigt –, dass diese Naturkatastrophen-Szenarien, denen wir alle im gegebenen Fall mehr oder weniger rettungslos ausgeliefert wären, hervorragend unsere in den letzten Jahren gepflegten (und bisweilen geschürten) Ängste vor Endzeiten unserer prosperierenden Wohlstandsgesellschaften bedienen.
Das ist schön, denn angesichts solcher bevorstehenden »externen« Katastrophen (wann, nicht ob!) und deren beständiger Thematisierung machen wir uns glücklicherweise weniger Gedanken über die Fehlentwicklungen und Katastrophen, die wir selbst anrichten.
Fernsehen und Konferenzen aus bunter Pappe
Dafür aber haben wir ja außerhalb von Katastrophendokus und neben pappigen Telenovelas zur kapitalen Totalverblödung z.B. die mittlerweile in schneller Folge inszenierten internationalen Klima-Kuschelkonferenzen, wo unsere Politiker publikumswirksam mit vereinten Kräften ihre Absichten zu zukünftigen gemeinsamen Willensbekundungen vereinbaren. (Wo ich bei den allfälligen Sonntagsreden immer den Eindruck habe, weit im Hintergrund schemenhaft die Vertreter der betroffenen Wirtschaftsinteressen stehen und genau aufpassen zu sehen, dass bloß keine konkreten Vorgaben in der Sache beschlossen werden, die man später doch nur wieder mit scheinheiligen »Selbstverpflichtungen« korrigieren muss)
Nur ein weiteres Szenario …
Wie wäre es einmal mit einem gut inszenierten Doku-Drama um eine Welt, in der die von uns verantworteten Klimaveränderungen längst begonnen haben, sich massiv auf unsere Lebens- und Wirtschaftsräume auszuwirken? In der in Europa und anderswo ganze Bevölkerungsgruppen auf Wanderschaft gehen müssen, um überleben zu können? In der es gleichzeitig durch kaum gezügelte wirtschaftliche »Globalisierung« weltweit zu massiven und brisanten sozialen Schieflagen gekommen ist, die lediglich ein Ventil benötigen, um endgültig an die Oberfläche durchzubrechen? Und mit ein paar grunzdummen Telenovelas, die mit lächerlich kitschbunten Farben und billigen Pappkulissen vor dem Horizont genau eines solchen Szenarios spielen?
Mir scheint nämlich bald, dass ein solches Szenario auch lediglich eine Frage des Wann, nicht mehr des Ob ist …

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