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Ende schlecht, alles schlecht

15. Juli 2007 – 7:43 Uhr

Es gibt so Filme, die schaut man nur, um sich zu vergewissern, dass sie wirklich so schlecht sind, dass man es sich besser erspart hätte, sie zu gucken.

Erst zum Inhalt, dann zum Titel:

(Hier könnte jetzt eine Spoiler-Warnung stehen, aber das ist wirklich nicht so wichtig)
Ein junges Pärchen fährt im Auto von Texas durch Ödland in Richtung Kalifornien. Müssen an einem öden Rastplatz eine Pinkelpause machen. Mädchen auf dem Klo, Junge verschwunden. Mädchen wird von einem Sicko in einem alten Pickup arg belästigt. (Yep, es geht noch weiter…) Außerdem gibt es noch eine religiös-debile Landeierfamilie in einem Wohnmobil, deren Bedeutung sich mir aber nicht so recht erschlossen hat. Wahrscheinlich wurde das aus Budgetgründen nicht näher thematisiert. Ein Polizist erscheint auf der Bildfläche und wird gleich vom Sicko per Pickup-Überfahrt zur nutzlosen Staffage gemacht. Sein einziger Zweck besteht darin, kurz darauf vom Mädchen (dem mit dem verschwundenen Freund) im gemeinsamen Klo-Versteck plakativ per zwei Kopfschüssen »erlöst« zu werden. (Ob der Schauspieler zuvor das Drehbuch gelesen hat? Vielleicht brauchte er einfach das Geld.) Zuvor hatte das Mädchen noch eine merkwürdige Vision von einem dort (im Klo) in einer Besenkammer versteckten gequälten anderen Mädchen. Inzwischen wissen wir per Zwischenszenen, dass der Pickup-Sicko ein alter Serien-Massakrierer ist und den Jungen (vom Pärchen) in einem alten Schulbus mit Werkzeugen »behandelt«. Dann bedrängt der Sicko das Mädchen weiter, und sie erschlägt auf ihrer Flucht zwischendurch unabsichtlich ihren Freund, weil sie ihn für den Sicko hält. Am Ende stellt sie sich diesem mutig mitten auf der Straße entgegen und bewirft seinen Pickup mit einem Molotov-Cocktail, auf das dieser zu brennen anfängt. Womöglich ist der Sicko jetzt tot, aber so richtig erfährt man das eigentlich nicht. Da hilft auch der Männchen-Buh-Effekt nichts, als sie sich umdreht und dem Sicko direkt ins hässliche Gesicht guckt. Etwas später schließlich sind der Rastplatz und das Klo wieder renoviert und neue Leute treiben sich dort herum. Ein Mädchen geht ins Klo und hört eine Mädchenstimme, aus der Besenkammer. Keiner glaubt ihr und in der Schlusseinstellung sieht man das Mädchen (das vom Pärchen, mit dem erschlagenen Freund) in der Besenkammer blutig sitzen und um Hilfe flüstern. Scheint irgendwie auch eine Vision zu sein. Dann ist der Film zu Ende.

Der Film heißt übrigens Rest Stop, was ihn wahrscheinlich maßgeblich von Wolf Creek unterscheidet (den ich nicht gesehen habe… oder etwa doch?). Und natürlich von den 458 anderen billigen Horrorstreifen um ein ein paar junge Leute im verödeten (und mit verblödetem Personal bevölkerten) US-amerikanischen Outback, die einem ebenso verblödeten US-amerikanischen Sicko in die Quere kommen und blutrünstig zerschnippelt werden.

Hallo, ihr Billig-Regisseure da draußen, seht endlich ein, dass dieses Thema im Jahre des Herrn 1974 von Tobe Hooper mit The Texas Chainsaw Massacre initial, final und in jeder Hinsicht völlig erschöpfend behandelt wurde!

(Und ich sollte endlich einsehen, dass ich mir zeitgenössische Plagiate dieses Films getrost ersparen kann, und ich sollte nicht immer wieder denken, es könnte ja vielleicht doch — es kann eben nicht!)

So weit, so schlecht. Die deutsche Fassung ist übrigens zensiert, die herausgeschnittenen splatterigen Szenen kann man sich aber in einem Extra zu den Effekten anschauen. Das mit der Zunge ist recht nett gemacht…

Nun zum Schluss. Des Film. Ich meine, zu den vier oder fünf alternativen Enden, die man sich in den Extras kritisch zu Gemüte führen kann. Sie unterscheiden sich eher marginal voneinander, haben aber gemeinsam, dass sie alle gleichermaßen bescheuert sind, genau wie das tatsächlich realisierte Ende. Ich vermute, der Entscheidung ging entschiedenes Würfeln voraus.

Wer Wolf Creek gesehen hat, kann sich ja per Kommentar melden. Vielleicht vergleichen wir einmal die Anzahl völlig unglaubwürdiger Szenen und Verhaltensweisen der Protagonisten.

PS: Dieser Beitrag wurde Ihnen präsentiert in der Reihe des filmtheoretischen Forums zum Thema:
Warum flüchten Menschen vor verfolgenden Autos immer geradeaus und mitten auf der Straße, anstatt einfach zur Seite ins Gebüsch zu hüpfen, wohin ihnen das Auto nicht folgen kann?

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Dieser Inhalt (Textbeitrag und Fotos) ist unter einer Creative-Commons-Lizenz BY-NC-ND lizenziert.

1 Kommentar zu ›Ende schlecht, alles schlecht‹

  1. Der Roger

    Hehe, ich kann dir nur Recht geben. Bin gestern abend bei “Wrong Turn” eingenickt, ebenfalls ein Teenie-Shocker von der hintersten Stange.

    Zum filmtheoretischen Forum hätte ich auch noch etwas: Weshalb flüchten Menschen in Gebäuden immer nach oben, obwohl jedes Gebäude irgendwann mit dem Dach (und dem Tod) endet?

    Weshalb gehen Menschen ohne Licht zu machen in ein Zimmer, aus dem ein unheimliches Geräusch drang?

    Weshalb rufen Menschen immer “Hallo? Ist da wer?”, wenn sie einen Schatten gesehen oder ein Geräusch gehört haben.

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