Ein Pfeifen im Sauerstoffwald
23. May 2007 – 9:11 Uhr
Während sich inzwischen beim »Team [Telekom-Marke der Wahl einsetzen]« ein pharmakologischer Abgrund nach dem anderen auftut und ehemalige Fahrer sich selbst von ihrer Vergangenheit her einholen, während investigative öffentlich-rechtliche Gespräche von seltsamen Pfeiftönen heimgesucht werden und an akuter Wiederholungsarmut leiden, und während aus Landisland eine groteske Unschuldsbeschwörungs-Kasperade nach der anderen über die juristische Bühne rollt, steht hier doch beinahe indirekt ein seit Kurzem ehemaliger Fahrer und Star der Szene aufrecht und unschuldig da; wie ein Fels in der Brandung, geradezu wie eine Lichtgestalt sauberen Sports da, nie »betrogen habend«, lediglich aufgrund der unüberschaubaren Wirren der freien Arztwahl zum ominösen spanischen Blutaufbereiter gekommen – quasi also wie die Jungfrau zum Kinde.
Ihr wisst sicher, von wem ich rede… lasst uns also kurz lachen, bis uns das Lachen im Halse stecken bleibt. Und dann wenden wir uns von der Farce ab und…
…ich stelle schließlich fest aufgrund der aktuellen Lage:
Weder der gerade laufende Giro d’Italia, wie sauerstoffreich auch immer, noch die anstehenden größeren Radrennen einschließlich der Tour de France können mich als Sportereignis noch interessieren. Interessieren könnte mich daran bestenfalls, in wieweit sich beteiligte Mediziner und Pharmaversorger jetzt, wo kriminelle Eigenblut- und EPO-Panscherei in Ungnade gefallen sind und mit größerer medialer wie juristischer Aufmerksamkeit bedacht werden, schon auf neue, vorläufig noch unbefleckte Verfahren der Leistungsförderung verständigt haben.
Denn es muss ja irgendwie weitergehen, oder nicht? Und es wird weitergehen, das steht für mich fest.
Der ARD schließlich täte es spätestens jetzt gut anstehen, einmal wirklich ganz ernsthaft (wirklich, ganz wirklich) über einen Verzicht auf die Berichterstattung über solche sportähnlichen Leistungsschauen nachzudenken.
Und – nur im Falle des Falles – könnte auch ein mutiges Bedenken des eigenen Vorab-Kuschverhaltens nicht schaden, denn mit einer schon vorsorglichen Feigheit vor den Advokaten wird es einfach nichts mit der Glaubwürdigkeit als unabhänges öffentlich-rechtliches Fernsehen. Leute, so viel Macht und ökonomische Potenz habt ihr allemal, dass ihr es in einem solchen Interview-Fall auf ein juristisches Geplänkel ankommen lassen könnt.
PS: Jetzt, wo ich gerade am Ende meiner kurzen Ausführungen angelangt bin und kurz alle offenen Tabs aktualisiert habe, sind mir einige neue Beiträge an verschiedenen Orten aufgefallen. Hier also noch ein paar aufgeschnappte Anmerkungen vor allem zur ominösen »Tonstörung« bei der betreffenden ARD-Gesprächssendung.
Update um 13:40 Uhr:
Bei allesaußersport gibt es neue Informationen zum verdächtigen Zensur-Overlay per Pfeifton und zu den nicht verfügbaren Wiederholungen der Beckmann-Sendung. Die Tonzensur war mit dem Gesprächsteilnehmer abgesprochen (die Sendung war eine Aufzeichnung), die Wiederholungen fallen wegen vorliegender einstweiliger Verfügungen aus.
Na, wer hätte denn das gedacht? Das übliche Rechtsgekröse bei unliebsamer Öffentlichkeit… da bleiben bei mir jedenfalls keine Fragen mehr offen.

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