Der schiefe Blick
7. Mai 2007 – 20:51 Uhr
heise online berichtet über die Kritik von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt an zuviel Infotainment in den Nachrichten. Er kritisiert, dass die Medien »Politik oft auf eine Art Boxkampf des ›Wer gegen Wen‹ reduzieren« und folgert, »wenn Politik dann als eine Abfolge von Skandalen beim Bürger ankomme, laufe etwas schief im Lande«.
Das passt ja ganz gut zu den aufschlussreichen Vorgängen um die Frage, ob Bundespräsident Köhler den Inhaftierten RAF-Terroristen Klar begnadigen wird und das dreiste politische Gepöbel aus der rechten südlichen Ecke der Republik, mit dem unter frechem Rückzug auf das Recht auf freie Meinungsäußerung unverhohlen Druck auf den Bundespräsidenten ausgeübt werden sollte.
Manche Herren aus dieser Riege haben dabei nicht nur mangelhafte Manieren und Kinderstube offenbart, sondern auch klar ihre bestenfalls rudimentäre Akzeptanz verfasster demokratischer Gegebenheiten in diesem Land zur Kenntnis gegeben.
Diese »Art Boxkampf« gegen den Bundespräsidenten ist allerdings – wäre das Ganze aus der Sicht gepflegter demokratischer Werte nicht schon alleine höchst bedenklich – Infotainment der miesesten Sorte. Und wenn das jetzt als Skandal beim Bürger ankäme, dann liefe tatsächlich gar nichts schief im Lande – es ist nämlich nichts Geringeres als ein Skandal.
Und dass dies womöglich in der Berichterstattung nicht ausreichend und insistierend thematisiert wurde, nämlich als neuerliche Ausfallerscheinung einer bröckeligen politischen Kultur, mag auch darauf hindeuten, dass es in den Medienetagen selbst kein nennenswertes Interesse mehr an wirklicher Auseinandersetzung mit der Politik gibt. Lässt man sich nicht doch lieber instrumentalisieren?
Oder reicht es im Grunde völlig aus, die tatsächliche »Abfolge der (politischen) Skandale« kommentarlos abzubilden und das Infotainment z.B. dem einschlägigen sonntäglichen Verbalpolterabend zu überlassen, der seinerseits wunderbar die ›Selbst-Infotainmentisierung‹ der Politik abbildet?

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Am 7. Mai 2007 um 23:49 Uhr
irgendwie sträubt dich alles in mir die worte politik und kultur in einer verbindung zu sehen.
“politische Kultur” brrrrr
wer von denen hat denn schon kultur?
Am 8. Mai 2007 um 22:57 Uhr
Das hat sich wohl so eingebürgert als »größeres« Wort für ein gewöhnlich erwartetes Minimalmaß an anständigem Verhalten von Politikern in der Öffentlichkeit.
Immerhin müssen wir hier noch froh über ein Minimalmaß an Kultur sein angesichts der Tatsache, dass sich Parlamentarier in anderen Ländern bisweilen in Plenarsälen prügeln.
Am 9. Mai 2007 um 18:56 Uhr
vielleicht wäre vieles besser, wenn sich unsere parlamentarier ebenfalls prügeln würden.