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dyingeyes weblog: das persönliche Weblog von Boris Stumpf aus Frankfurt am Main

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Möbelarium

11. March 2007 – 22:24 Uhr

So gerne ich gelegentlich in Möbelhäusern stöbern gehe, so sehr bin ich meist enttäuscht von der breiten Einfallslosigkeit der Möbeldesigner. Meine besondere Nemesis scheinen dabei Couchtische und Sofas zu sein.

Couchtische werden, davon bin ich inzwischen völlig überzeugt, von angehenden Möbeldesignern entworfen, die mangels Kreativität und Qualitätsbewusstsein schließlich die Aufnahmeprüfung an Hochschulen für Gestaltung und Design nicht schaffen.

Eine Großzahl von Couchtischen ist entweder durchgehend missgestaltet und wird bevorzugt an geschmacksbefreite Zielgruppen verkauft, oder die leidige Gestaltungskompetenz reicht nur bis zum oberen Ende des Gestells. Worauf schließlich der Vertrieb entscheidet, dass der Verwurf des Gebildes zu teuer wäre und deswegen einfach eine dicke grüne Glasplatte oben drauf gelegt wird – und ab ins Prospekt damit.

Viele Sofas scheinen in ihrer absurden Fehldimensionierung zu belegen, dass eine von mehreren gestalterischen Schieflagen ihre Gestaltung bedingen (oder eine beliebige Kombination aus diesen):

  • Die Gestalter sind haben Riesenärsche und deswegen beträgt die Wegstrecke von Vorderkante Sitzfläche zum Beginn der Rückenlehne mindestens 90 Zentimeter.
  • Die Besitzer (eben…) solcher Sofa-Fladen sitzen nicht mehr, sondern flegeln sich irgendwie völlig amöb auf den Polstern. (Und rauchen dabei wahrscheinlich die absurden Lederfetzen-Flokatis, die in Möbelhäusern gerne unter die Couchtische gelegt werden)
  • Die Gestalter gehen verschärft davon aus, dass das Wohnzimmer des gemeinen zeitgenössischen Sofakäufers mindestens 40 Quardatmeter groß ist, so dass ein Viersitzer über Eck sich locker über 6 bis 8 Quadratmeter breit machen kann. Der kompakte Zweisitzer verfügt oft über massive Armlehnen-Blöcke, die 50 Zentimeter dick sind und damit das Gesamtgebilde auf über 2 Meter Breite bringen.

Positiv muss ich aber anmerken, dass es für den kleineren Geldbeutel – und auch für den kleineren Raumanspruch – inzwischen durchaus Sofas gibt, die über passable Polster-Definition nebst ordentlich verarbeiteten Microfaserbezügen oder gar ästhetisch und haptisch akzeptablen Lederimitaten (oft »Textilleder« genannt) gibt. Wobei ich aber nach wie vor feststellen muss, dass der Ausdruck »passable Polster-Definition« völlig unverträglich ist mit dem Ausdruck »Ikea«.

Verschiedentlich treffe ich auf meinen Rundgängen in den vergangenen Tagen auf merkwürdige grobschlächtige dunkelst-holzige Einrichtungsgebilde, die ich im Grunde nur als Pseudo-Kolonialstil nach Gutsherrenart bezeichnen kann. (Die bei diesen Möbeln bleibenden Freiflächen im Zimmer werden wohl in der Regel mit irgendwelchem »Tribal«-Nippes vollgestellt…) Mir bleibt dabei regelmäßig die Frage im Halse stecken, ob beim Kauf von derartigen Grobmöbeln der adrett knabenhafte dunkelhäutige Sklave im Preis inbegriffen ist.

Sei dem wie es will, ich bin jedenfalls inzwischen in Sachen Sofakauf wahrscheinlich fündig geworden, habe aber einstweilen einen neuen Couchtisch auf ein späteres Leben in einem anderen Universum verschoben. Der schieferbeplattete, ex-elterliche Tisch bleibt erhalten und wird sich ins demnächst umzugestaltende Wohnzimmer besser einfügen als bisher. Basta.

Einen besonderen Spaß bei Zimmer-Umstellungen macht das (von mir nach wie vor hoch geschätzte) Balton-Regalsystem übrigens dann, wenn man versucht, so viele vorhandene Teile wie möglich in einer neuen Zusammenstellung weiter zu verwenden, ohne a) allzu viele Teile hinzukaufen zu müssen, und b) möglichst keine Teile überschüssig zu haben.

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3 Kommentare zu ›Möbelarium‹

  1. Lyrasia

    Möbelsuche kann ein Graus sein, und Möbelmärkte erst recht. Das meiste da ist wie Alltagsklamotten von der Stange.

    Wenn ich richtig Kohle hätte, hätte ich a: größeren Wohnraum, und b: im Wohnzimmer Biedermeier-Möbel aus Hartholz, solche, wo das Möbel allein schon durch das Holz wirkt, was der Schreiner dazumal wählte, Möbel, die man streichelt, und nicht ein Stück aus dem Möbelladen. Ein passendes Kuschelsofa, mehrere Perser, und eine Unmenge an Pflanzen. *träum*

    Ich kenne da jemand, der hat ein Kolonialstil-Möbel, ein Einzel-Stück. Nur das es ein echtes ist… Hartholz, für heiße schwüle feuchte Gefilde gebaut. Lange nicht so grob wie diese Weichholz auf alt getrimmten Möbel heutzutage, die sich Kolonial nennen, es ist sehr ein zierlicher Schrank, ein Schmuckstück.

    liebe grüße dir :-)

  2. Boris (Autor)

    Ich bin von alten Möbeln (ab Jahrhundertwende 1900 und früher) inzwischen fast ganz weg. Schaue mir schöne, wertige Möbel aus solchen Zeiten immer noch gerne an und halte nach wie vor die handwerkliche Machart hoch. Ich habe aber nur noch meine alte Schubladenkommode und das Vertiko (beide so um 189x) übrig plus zwei Sesselchen, die mein Vater mal gelernt und gekonnt neu aufgepolstert sowie bezogen hat.

    Relikte halt…

    Bevorzuge heute aber eher zeitlos moderne bzw. zeitgenössische Möbel guter Bauart. Es gibt so ein paar Markenhersteller, die wirklich tolle Sachen bauen, hervorragend handwerklich verarbeitet (trotz weitgehend industrieller Produktion) mit schönen Furnierhölzern oder sogar aus Massivhölzern.

    Leider sehr teuer und für mich auf absehbare Zeit außer Reichweite…

  3. Lyrasia

    Ja, meine Eltern haben so ein paar sehr hochwertige Teile im Wohnzimmer, massiv, zeitgenössisch, sehr gute qualität und… teuer.

    ich glaube bei mir wird sich das nicht ändern an geschmack, im Gegenteil hat es sich eher verfestigt. Ich kann dafür weichholz nicht mehr besonders gut leiden, bin in sofern was richtig gute Altertümchen und echte Teppiche angeht ein Spätzünder, damit meine ich die Vorstellung, das ICH darin leben wollte wenn ich könnte.

    Aber was red ich.. bei mir ist alles etwas kunterbunt an gesammelten werken, wenn auch harmonisch und eigen.
    Wenns aufgeräumt ist… schaut sich bisher jeder Gast erstaunt um, wie schön die Wohnung kommt, und das freut mich dann immer wieder. Ich pflege die Kunst mit einfachsten Mitteln das maximal mögliche rauszuholen.

    Aber ich verat dir was: ich kenne ein solches breitarschsofa, das ist einfach superklasse ;-) Aus sehr dunkelrotem Samt mit geschwungenen Lederlehnen mit ner unmenge Kissen. Einfach zum räckeln.

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Zuletzt Kommentiert:

  • Anne am 16.8.2010:
    Hi Boris, Da denke ich dann auch gerne mal an Klaus Kinskiy mit “Von wem ich mich beleidigen...
  • Pepino am 5.8.2010:
    In der Tat, das finde ich sogar sehr beruhigend! PS: Danke für’s erwähnen und für’s...
  • zungenwerk am 21.6.2010:
    …..höchste zeit jemanden zu suchen, der dir auf die harley hilft…..
  • Andi am 20.6.2010:
    Tja, es ist gar nicht mehr so einfach ein Handy zu finden, mit dem man nur telefonieren...
  • Mario H. am 16.6.2010:
    Ach was, das ist viel zu unsicher. Bloß nirgendwo notieren – am besten gleich vergessen.
  • Anne am 14.6.2010:
    Ach weißt Du, Das ist immer derselbe Mist mit den Verkäufern (gerade von Mobiltelefonen), die...

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