Den Pillen auf der Spur
1. Oktober 2006 – 16:33 Uhr
Heute eine Epsiode aus der Rubrik: Der Heimdetektiv auf den Spuren des internationalen Medikamentenschachers.
Meine Eltern haben eine kleine Warensendung erhalten, respektive zurückerhalten, da der Empfänger der Sendung offenbar nicht erreichbar oder unbekannt verzogen scheint. Die Sendung wurde, darauf deuten Briefmarke und Poststempel hin, eindeutig in Deutschland aufgegeben.

Der Empfänger sollte in den USA ansässig sein, ist aber unter der angegebenen Adresse (von mir unkenntlich gemacht) nicht erreichbar. Also strich der dortige Briefträger die Adresse durch, klebte den »Return To Sender«-Aufkleber darauf…

…und ab ging es zurück nach Deutschland an die per Klebeetikett angegebene Absenderadresse. Die korrekte Adresse meiner Eltern, von mir ebenfalls unkenntlich gemacht.

Wie sich aus dem »Homeland Security«-Aufkleber nebst grobem Schnitt in die Längsseite und dem grünen Stempel des deutschen Zolls erschließen lässt, haben beide Behörden ihr übliches Grobhandwerk der Inhaltskontrolle verrichtet, wobei im Verlauf der Reise die Verpackung leicht derangierte Züge annahm, der Inhalt jedoch unverseht blieb.

Dieser Inhalt ist jetzt natürlich der eigentliche Witz der ganzen Geschichte:

Dieses unscheinbare Tütchen, das ebenfalls einem sorgfältigen amtlichen Öffnungsverfahren unterzogen wurde, enthält eine durchaus erkleckliche Vorratsmenge eines weltbekannten Ständergenerators nebst deutschem Beipackzettel.


Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass es sich – sofern überhaupt echt – um eine Produktion der französischen Herstellerniederlassung für den israelischen Markt handelt.

Ich bin da nicht sicher, denn die Pillen weisen keinerlei Hersteller- oder Konzentrations-Prägung auf, wie man sie offenbar bei den Originalen vorfindet. Wie dem auch sei…
Was soll das alles nun?
Nach einigem Überlegen und Diskutieren sowie kleineren Suchmaschinen-Recherchen sind meine Eltern und ich zu folgendem Gesamtbild gelangt:
Die Person, an welche die Sendung adressiert ist, existiert tatsächlich, wie wir recht zuverlässig ermitteln bzw. aus verschiedenen Teilquellen erschließen konnten. Es scheint aber, dass sie nicht mehr am angegebenen Ort lebt, sondern inzwischen den Wohnort gewechselt hat. Die Sendung wurde in Deutschland ordentlich zum Versand aufgegeben, jedoch unter betrügerischer Verwendung einer falschen Absenderadresse, nämlich der meiner Eltern. Nach dem Passieren der diversen behördlichen Stationen im Ziel- und Herkunftsland landete sie schließlich als nicht zustellbar wieder beim – gefälschten – Absender.
Ob es sich bei der Angelegenheit um illegalen Medikamentenversand handelt (siehe die Herkunft und den Zielmarkt der Pillen), kann ich nicht beurteilen, jedenfalls haben meine Eltern in dieser Sache die Polizei kontaktiert. Gegebenenfalls werden wir überlegen, wegen der Absenderfälschung Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten.

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Am 4. Oktober 2006 um 11:28 Uhr
Ist das vielleicht Viagra-Spammailversand auf das RL übertragen? Gefakter Absender, Anhang schaut aus wie etwas bekanntes, könnte aber auch “ein Virus” sein, die “Mail” bouncet ein wenig herum, bevor sie in irgendeines Menschen Postfach aufschlägt, und der Weg in dieses Postfach ist ab einem bestimmten Punkt nicht zurückverfolgbar.
OK, bei Mails geht es beim Adressengefake darum, Blacklists von Antispamdatenbanken unbrauchbar zu machen.
Wenn also deine Eltern demnächst ein Briefchen verschicken und es zurückkommt mit dem Vermerk “Annahme wegen Spamverdacht verweigert.” weißt du Bescheid: dann hat die virtuelle Welt die echte geentert…