Ubuntu: Hobby vs. professionell
29. August 2006 – 21:22 Uhr
Schaun wir mal anhand eines Beispiels, was mit Ubuntu geht:
Ich kann mit einem von Ubuntu-Linux angetriebenen PC z.B. professionell Webdesign betreiben. Hierzu braucht es neben der standardmäßig mitgelieferten Softwareausstattung noch ein paar Päckchen obendrauf. Hier eine kleine Arbeitsumgebung, mit der man durchaus höchst ordentlich – und professionell – arbeiten kann:
Zum Code-Schrauben verwende man Screem (Site Creation and Editing Environment). Natürlich könnte man sich auch einmal das Quanta-Projekt (das ist eigentlich für den KDE-Desktop, aber das macht im Grunde nichtzpf) angucken. Im Falle, dass man mit solchen Werkzeugen nicht unmittelbar auf den serverseitigen Projektseiten herumschreiben will, verwende man zum Transport beispielsweise gFTP.
Die unmittelbare Arbeit auf dem Webserver, z.B. die Apache-Konfiguration, eventuelle Cronjobs und andere Tätigkeiten, die in den Verantwortungsbereich des Webmasters fallen, erledige man unerreicht komfortabel direkt und schnell auf dem allseits erreichbaren Terminal (der Eingabekonsole nebst Shell, deren profunde Kenntnis sowieso zum Kompetenz-Grundbestand eines jeden Webentwicklers gehört).
Für alles, was von unserer Arbeitsmaschine z.B. auf einen Webserver nach draußen geht oder von dort hereinkommt, verwende man natürlich eine SSH-Verbindung.
Bildmaterial organisiere man einfach mit dem Gnome-Dateimanager Nautilus oder mit dem gThumb-Bildbetrachter. Fotos liefere man unproblematisch direkt per Digitalkamera, Speicherkarte oder CD/DVD an. Das Bildmaterial selbst bearbeite man webgerecht auf mit dem allseits bekannten GIMP.
Falls man zur Entwicklung eines dynamischen Webprojekt-Unterbaus (PHP mit MySQL, ein CMS, eine Blogsoftware oder Ähnliches) einen Testserver benötigt, so hat man ihn im Grunde schon unter den Fingern. Es muss nur noch z.B. ein XAMPP installiert werden, und schon läuft der lokale Webserverbetrieb rund.
Angebote, Rechnungen und den ganzen anderen Papierkram erledige man komplett mit OpenOffice, einschließlich eventuell benötigter PDF-Dokumente. Von Webbrowsern und E-Mailprogrammen muss jetzt wohl nicht weiter zu reden sein.
OK. Soviel mal eben aus dem Ärmel zur Möglichkeit professionellen Arbeitens mit einem Ubuntu-getrieben PC.
Sollte man jetzt noch (mangels größerer Kosten) eine erhebliche Anzahl Euronen übrig haben, dann kann man sich durchaus noch in der Freizeit einen Hobby-Windows-PC (oder einen Apple-Computer) hinstellen mit »Industriestandard«-Software drauf: hmm… Photoshop und InDesign meinetwegen…
Diese Ausführungen nur als ein mögliches Gegenbeispiel zum fragwürdigen und viel zu kurz gedachten letzten Absatz eines ansonsten ausgesprochen lesenswerten Artikels von Seán Captain über das Ubuntu-Linux.
Danke an Nils für den Hinweis zu diesem Artikel!
Nachtrag:
Diese Anmerkungen sollen keine Stellungnahme gegen Windows- und Apple-Computer darstellen (ich selbst verwende ja mein Ubuntu-Linux gleichrangig neben Windows). Ich will auch überhaupt nicht die Bedeutung und die Qualitäten der erwähnten kommerziellen »Industriestandard«-Software in Abrede stellen. Das ginge völlig an der Sache vorbei.
Vielmehr will ich feststellen, dass wertende Kategorisierungen der Art: Windows und MacOS gleich Profi-Plattform und »Industriestandard«, Unix und Linux (einschließlich Open-Source-Software) gleich Hobby-Gefrickel inzwischen längst zu kurz greifen.
Tatsächlich kommt es auf die spezifischen Anforderungen einer Arbeitsumgebung an, welche Plattform – oder Kombination von Plattformen – ich idealerweise einsetze. Keine der drei genannten Plattformen ist uneingeschränkt optimal für alle professionellen Anforderungen gleichermaßen geeignet. Die unergiebige Debatte darüber, welche Plattform für welche Aufgabe am besten geeignet ist, überlasse man jedoch besser den Trollen in den einschlägig bekannten Foren.

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Am 29. August 2006 um 23:02 Uhr
Hallo Boris,
GIMP ist schön und gut. Man kann damit viel machen, aber wenn du auch mit Agenturen zusammenarbeiten willst, dann brauchst du Photoshop. Und soweit ich weiss bekommt man auf Linux unter Wine Photoshop 7 zum laufen, aber nicht CS und CS2. Ich habe CS2.
Am 30. August 2006 um 00:15 Uhr
“Ich habe CS”
Ich könnte wetten, dass der nicht gekauft ist, was ich selbst nicht besonders schlimm finde… aber nur um Boris’ Ausfürhungen zu unterstreichen:
Das oben Genannte ist alles freie Software und kostet keinen müden Heller – ein Aspekt, den es bei solchen Argumentationen zu berücksichtigen gilt.
Was den professionellen Einsatz von GIMP betrifft, muss ich dir beipflichten, Perun, aber GIMP ist auf gutem Wege und nur weil eine Gesellschaft, GmbH oder AG sich “Agentur” schimpft, heisst das noch lange nicht, dass es professionell zu und her geht.
Übrigens Boris: Guter Leitfaden
Am 30. August 2006 um 00:17 Uhr
Deswegen hat man ja auch meist mehrere Rechner mit verschiedenen Systemen am Laufen (respektive Dual-Boot-Installationen oder Vergleichbares), damit man eben Software, die nicht für alle Plattformen verfügbar ist, verwenden kann. Im Grunde sehe ich da gar kein Problem.
Aber die Differenzierungs-Grenzlinie zwischen den einzelnen Plattformen ist eben genau nicht Hobby vs. Kommerziell, wie es der besprochene Artikel suggeriert, sondern bloß die verfügbare Software.
(Mit dem GIMP übrigens kann ich mich auch gar nicht so recht anfreunden…)
Am 30. August 2006 um 01:32 Uhr
@Mathias,
ich finde es eine Frechheit das du mir unterstellst, dass meine Photoshop CS2-Version eine Raubkopie ist … die ist legal und bezahlt (ca. 990 Euro) … du musst nicht von dir aus auf andere schließen. Solche Kommentare kannst du dir in meiner Richtung sparen
meine von mir eingesetzte Software ist entweder OpenSource oder bezahlt. Behalte deine unqualifizierten Vorurteile für dich. Und auch für die OpneSource zahle bzw. spende ich teilweise.
Ich weiß nicht wie du arbeitest, aber wenn mir eine Agentur eine komplizierte Layoutvorlage zusendet, dann werde ich diese auch in Photoshop aufmachen und meine Arbeit verrichten und die nicht beschimpfen warum sie nicht Gimp einsetzen.
Am 30. August 2006 um 08:12 Uhr
@alle: Irgendwelche Vermutungen oder gar Anschuldigungen in Richtung nicht ordentlich lizenzierter Software schaue ich mir hier im Blögchen nur kurze Zeit an, bevor ich administrativ eingreife. Soviel dazu.
Wie ich ja sagte, bleibt einem gerade im Bereich Webdesign/Webentwicklung meist nicht viel anderes übrig, als verschiedene Plattformen nebeneinander einzusetzen. Dazu gehört selbstverständlich auch gegebenenfalls die Anschaffung teurer Software (und Hardware), was letzten Endes einfach einen Kostenfaktor (Investition) in der Einnahmen-Ausgaben-Bilanz darstellt.
Inwieweit man sich darauf einlässt, sich seine Arbeitsumgebung komplett von außen diktieren zu lassen, oder sich alternativ eine eigene Umgebung schafft und im Zweifelsfall zwischen Plattformen »springt«, muss man selbst für sich und die eigene Bequemlichkeit (und Eigenwilligkeit) entscheiden.
Interessant in diesem Zusammenhang ist nebenbei sicher auch, dass z.B. OpenOffice sich langsam einen gewissen Standard-Platz im Officebereich zu erschließen beginnt. Bis zu einem gewissen Level von eingesetzten (proprietären MS-) Features in Dokumenten ist es inzwischen ziemlich problemlos neben bzw. alternativ zu MS-Office einsetzbar.
Am 1. September 2006 um 14:56 Uhr
Perun,
Ich gebe zu, das war ein wenig falsch formuliert. Es tut mir leid, wenn du dich damit auf den Schlips getreten fühlst.
Die Software habe ich übrigens auch gekauft (zwar zum Studentenpreis (ca. 466 €), aber gekauft).
Zum Thema:
Die eigene Arbeitsumgebung sollte nicht diktiert sein. Wenn jemand GIMP brauchen will, aber dieselben Resultate liefert, wie wenn er PS benutzen würde, finde ich das in Ordnung. GIMP öffnet PSD-Files ohne Probleme, mit allen Ebenen usw. (Sagt mir, wenn ich mich da täusche – meine Erfahrung)
Eine anständige Firma diktiert die Arbeitsweise nicht, das ist nicht mal bei der Armee so (und ich habe dort gearbeitet), wichtig ist doch nur, dass man das Richtige zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der richtigen Menge und Art, der richtigen Person übergibt, und dabei ist der Einsatz von OpenSource (und somit Linux usw.) definitiv eine Alternative.
OpenOffice ist meines Erachtens mittlerweile sogar besser als MSOffice.
Am 4. September 2006 um 15:19 Uhr
Also ich arbeite lieber mit LaTeX als mit Office-Paketen. Einmal eingearbeitet und Vorlagen erstellt läuft das über die Kommandozeile und Standard-Editoren super schnell. Funktioniert natürlich auch mit Ubuntu.
Am 4. September 2006 um 22:07 Uhr
@tobi: LaTeX ist toll, mit Kile hat man sogar einen guten editor unter linux. das problem ist nur, das man grundsätzlich probleme bekommt, wenn man damit jemand anderen arbeiten lassen will.
da helfen mir auch vorlagen nicht weiter. wer vorher nur mit Word gearbeitet hat und keinerlei ahnung von scripting oder programmieren hat, wird sich tierisch schwer tun.
selbst bei briefvorlagen bekommt man dann oft ein “ich will aber nicht erst hinterher sehen, wie das aussieht” zu hören.
aber für einen selbst ist es natürlich super praktisch. ich schreibe fast alles nur noch mit LaTeX und vermisse da keine textverarbeitung.