Friday, den 30. Juni 2006
Am Samstag beginnt sie also, die diesjährige dreiwöchige Infusions- und Pharma-Leistungsschau in Frankreich. Wessen medizinisch-kriminelle Organisation läuft am besten geschmiert? Wer betrügt am besten in den steilen Anstiegen, lügt am schnellsten in den Sprintentscheidungen und weist jede Schuld am weitesten von sich bei den erfogreichen Ausreißversuchen?
Kam es sonst erst während der Tour zu den entsprechenden Skandalen, ist jetzt schon Tage im Vorfeld der Teufel los mit Ermittlungen in Spanien, Verdachtsmomenten, Auffälligkeiten, Aufregungen, Beschuldigungen und Beteuerungen. Es scheint, dass inzwischen das Thema Doping im Radsport den Status eines permanenten Saisonbegleiters erreicht hat.
Die Diskussion um die medizinisch und pharmazeutisch hochprofessionell betreuten Sportbetrüger kocht wieder hoch, und wieder stellt sich die bekannte Frage, wie man – und ob man überhaupt – diesen Sumpf trockenlegen kann.
Ich schließe mal von mir auf das Allgemeine und propagiere folgende Haltung:
Erfreuen wir uns durchaus weiterhin an den Sportereignissen, an den sportlichen Auseinandersetzungen und den Höchstleistungen. Aber seien wir uns immer der starken Vermutung bewusst, dass dabei Doping und damit Betrug im Spiel ist. Wenn denn schließlich ein kleiner Teil der Protagonisten tatsächlich überführt wird, müssen wir nicht mehr so enttäuscht und entrüstet sein. Wir haben es nicht anders vermutet.
Und sorgen wie für ein öffentliches Bewusstsein auch unter den Sportlern, dass es diesen Generalverdacht gibt. Sie sollen wissen, dass wir kein Vertrauen mehr haben in das faire Zustandekommen ihrer Topleistungen. Dass wir sie nur noch unter Vorbehalt bejubeln.
Ich kann jedenfalls nicht mehr anders als mich so zu verhalten – ich bin überzeugt, mir eine Phantasiewelt vorlügen zu müssen, wollte ich annehmen, dass Etappensiege bei der Tour (dies nur stellvertetend für unzählige andere Top-Sportereignisse) generell auf unmanipulierte Art und Weise zustande kommen könnten.
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