Lange Texte, kurze Texte
14. März 2006 – 21:07 Uhr
Knut Karnapp erörtert in seinen Blogdesign-Tipps #8 das altbekannte Thema der Länge von Texten im Web. Kurz, aber dafür differenziert entgeht er zum Glück der pauschalen Behauptung mit meterlangem Bart, die da immer wieder in etwa lautet:
Texte im Web müssen kurz und schnell erfassbar sein, da der Surfer keine langen Texte am Bildschirm liest.
Meine Statements zu diesem Thema sind seit Jahren dieselben:
- Durch beständiges Wiederholen wird diese Behauptung nicht wahrer
- Leser lesen das, was sie interessiert, und Interesse bemisst sich nicht an der Länge des Rollbalkens
- Ich schreibe nicht, was Besucher lesen wollen – und schon gar nicht so, wie sie es gerne serviert hätten
Ich selbst lese tatsächlich gerne längere Anhandlungen. Zurücklehnen, Schrift vergrößern und in Ruhe lesen. Vor allem dann, wenn der Autor eine gute ›Schreibe‹ hat.
Geht es dagegen um reines Marketing-Blah auf Firmenwebsites, mag die o.a. Grundregel ihre Berechtigung haben. Niemand mutet sich gerne seitenlang Blasephrasen zu, die nichts wirklich zu erzählen haben…

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Am 15. März 2006 um 20:10 Uhr
Full ack.
Diese „Weisheit“ lässt des Weiteren auch völlig ausser Acht, dass es auch eine Rolle spielt, wie Texte aus typografischer Sicht aufbereitet sind – ein langer Text, dessen Zeilen bei einem Zeilenabstand von 120% ca. 250 Zeichen breit sind, wird sicher von niemanden gerne gelesen.
Erwähnte ich schon, dass „Verhältnismäßigkeit“ in meiner Lieblingswort-Liste zur Zeit Platz 1 belegt?
Am 10. April 2006 um 13:25 Uhr
Lange Texte, kurze Texte… pauschalisieren kann man hier sicher nicht. Um es mit den (ungefähren) Worten von Bourdieu auszudrücken: “Komplexes lässt sich nur auf komplexe Weise sagen.”
Viele Grüße,
Christoph