Monday, den 29. November 2004
Er wird einfach nicht gerne gesehen! Der Werbeblock. Er basiert grundsätzlich auf der Idee seines Herrn, den angezielgruppten Konsumenten bei besonders aufmerksamkeitssensiblen Passagen seiner Lieblingsbeschäftigung (z.B. bei einem Spielfilm) massiv für mehrere Minuten zu stören, um ihm in dieser Form konzentriert unsachliche Anpreisungen von Waren (auch Reklame oder Werbung genannt) unter die Nase zu reiben – unter völliger Umgehung der Fragestellung, ob ihn das in diesem Moment überhaupt interessiert.
Das zeugt nicht nur von Ignoranz und mangelndem Respekt seitens des Werbetreibenden, diese Form der Anmaßung scheint inzwischen auch gar nicht mehr gut zu funktionieren, wie wir u.a. im Tagesspiegel, aber auch beim Spiegel Online erfahren können.
Die Werbetreiber scheinen dabei gleich von mehreren Seiten in die Zwickmühle geraten zu sein. So leidet der o.g. Werbeblock unter zunehmender Nichtbeachtung bzw. Wegzapperitis, so dass Medienexperten wie Mike Friedrichsen (via Tagesspiegel) davon ausgehen, dass sich Reklame in Zukunft in Form eigener Genres (Formate, Sendestrukturen, wie auch immer…) etablieren könnte. Da mag man sich also dann ganze Formate oder gar Senderstrukturen vorstellen, die als reines Waren- oder Dienstleistungs-Sponsoring daherkommen. Im Ansatz ist das in Form einiger Rand-TV-Sender gar wohl schon etabliert, und auch einige Programmformate bewegen sich schon unverhohlen nahe an dieser Existenzform (mir fällt da u.a. ein Touristikmagazin bei Vox ein..)
Als wenn das noch nicht genug wäre, scheint nun manchen Verantwortlichen der reklametreibenden Industrie auch noch die Qualität manchen Programmes vor allem im privaten Fernsehen auf solch trübes Minimalmaß gesunken zu sein, dass man Übersättingung mit (bisweilen auch ethisch bedenklichen) Belanglosigkeiten und somit um Quoten und Reichweite fürchtet.
Vielleicht ist das Fernsehen (als Vorreiter für die inhaltsleere Total-Kommerzialisierung von Lebensbereichen) ja schon an einem Punkt angelangt, wo die innere (rezeptive – Reklame führt zu Produkt-Ablehnung) wie die äußere (Vermeidungsstrategien gegen Werbung) Widerständigkeit des Belästigten das Erreichen des Endes einer Sackgasse aufzeigt?
Ich persönlich bin längst keine Zielgruppe mehr und habe meine Toleranzschwelle auf nahezu Null gesenkt und ich beobachte bei Menschen in meinem Umfeld zunehmend Ähnliches.
via IT&W, auch an dieser Stelle
PS: die zuverlässig mit solchen Erörterungen ‘getriggerte’ vorwurfsvolle Frage, wie sich denn Fernsehen (und auch andere Medien) ohne Reklame und Kommerz finanzieren soll und gleichzeitig hochwertiges Programm bieten soll usw. — diese Frage bitte ich nicht an mich zu richten! Ich bin weder TV-Programmverantwortlicher noch in irgendeiner anderen Weise dazu verpflichtet, mir Gedanken über kommerzärmere Formen des Fernsehens zu machen. Ich kann nur das, was ich wahrnehme und was auf mich einwirkt, nehmen und nach meinen (!) Kriterien beurteilen – und mein Rezeptionsverhalten demgemäß ausrichten.