Is Bill killed?
13. April 2004 – 17:40 Uhr
Es erscheint mir im Nachhinein wie ein Bilderbuch gewesen zu sein. Man schlägt es auf, fängt an zu gucken, Seite für Seite, verfolgt einfach, was da auf den einzelnen Seiten passiert. Irgendwann ist man durch damit, schlägt es zu und ist vollkommen zufrieden, denn es hat ungemein Spaß gemacht. Über das hinaus, was man da eben auf den vielen einzelnen Seiten gesehen hat, gibt es nichts weiter, aber auch gar nichts. Nichts verbirgt sich irgendwo, alles ist an der Oberfläche. Niemand behauptet etwas von verborgen liegenden Inhalten hinter irgendwelchen Fassaden. Alles ist vordergründig, plakativ. Selbst die Zitate, über die man so wunderschön sinnlos philosophieren kann, liegen an der Oberfläche. Und fast sind sie noch nicht einmal Zitate, sondern ganz einfache Abziehbilder von Szenen, die man irgendwie so oder so schon in anderen Filmen gesehen hat – oder ganz einfach Genre-Stereotypen.
Dass die Protagonisten keine echten Namen haben, passt tatsächlich in dieses Bild. Sie tragen bloß Bezeichner, die ihre Rolle innerhalb des Ereignisrahmens beschreiben. Das sind Fantasiebezeichnungen – Namen, die sie innerhalb ihres Kosmos als ehemalige Killertruppe getragen haben – und was Uma Thurmans Figur angeht, zusätzlich “The Bride”, was ihre neue Rolle beschreibt. Mehr “Individualität” ist innerhalb der Welt dieses Films nicht nötig.
Kill Bill Vol.1 zu sehen ist wie ein gezeichnetes Bild zu betrachten: wenn man versucht, von der Kante her irgendetwas dahinter zu entdecken…. da ist nichts. Eigentlich ist da nicht einmal eine echte Story, sondern vielmehr eine (durchaus sinnvolle) Abfolge von Ereignissen, respektive Handlungen der Protagonistin. Und weil serielles Zeigen, also erzählerische Kontinuität, womöglich den Eindruck inhaltsreicher Historizität hervorrufen würde – die es in dieser Geschichte nicht gibt – und darüber hinaus irgendwie unspannend wäre, bringt Quentin Tarantino uns Rück- und wieder Vorsprünge, mal in ganzen Szenen, mal in Einzelbildern. Und sogar an einer ausgedehnten Anime-Sequenz dürfen wir uns erfreuen. Damit wird lediglich so etwas wie formale Kausalität erzeugt, die die Ereignisse aufeinander bezieht.
Nun gut, wie würde ich den Film einschätzen? Hmmm….
(Nach der schlimm einfältigen und völlig ideenlos verzettelten Peinlichkeit von Matrix-Revolutions atme ich also jetzt erst einmal richtig auf…)
Wir haben:
Erzählkino ohne Erzählerei, aber sehr schön erzählt
Actionkino ohne wirkliche Action, aber mit gut abgestimmtem Rhythmus
Schauspielerkino ohne Starrummel, aber mit Klasse-Stars
Im besten Sinne ist der Film “Pulp Fiction”, ganz Tarantino eben. Nur dass diesmal relativ wenig geredet wird, stattdessen viel Klasse-Soundtrack mit hervorragendem Timing zu hören ist, viel gekillt wird und man sich ganz nebenbei an reichlich Leinwandpräsenz von Uma Thurman erfreuen kann. All das bietet uns Tarantino als fein zusammengestelltes Kaleidoskop verschiedenster Film-Genres und -stilrichtungen. Nichts davon ist in irgendeiner Weise ernst zu nehmen – außer: als Film.
Bill ist am Ende übrigens noch nicht killed – das gibt es wohl demnächst in Vol.2 ….

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